Frauenorganisationen prangern kinder- und frauenfeindliche Justiz an

Drei Vereine kritisieren, dass das Kindeswohl zugunsten ausgedehnter Kontaktrechte der Väter geopfert werde

APA, 5.5.2022

Frauenorganisationen in Österreich kritisieren, dass die Rechtsprechung im Familienbereich immer stärker Mütter benachteilige und sie warnen vor bevorstehenden Gesetzesänderungen, die das noch verschärfen könnten. Mehrere Frauenorganisationen haben aus diesem Grund eine Petition gestartet, in der sie Justizministerin Alma Zadic (Grüne) auffordern, “keine Gesetze zu schaffen, die sowohl dem Kindeswohl als auch dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen entgegenstehen”.

“Die vergangene Novelle des Kindschaftsrechts (KindNamRÄG 2013) hat mit der Einführung der gemeinsamen Obsorge auch gegen den Willen eines Elternteils und der Einführung der Familiengerichtshilfe in der Praxis wesentliche Verschlechterungen für Mütter und ihre Kinder gebracht. Denn Gemeinsamkeit lässt sich nicht erzwingen, jeder Versuch geht zu Lasten der Kinder. Sie werden als Druckmittel verwendet, um die gemeinsame Obsorge durchzusetzen”, kritisieren der “Österreichische Frauenring”, die “AllianzGewaltFreiLeben”, der Verein “Feministische Alleinerzieherinnen FEM.A”, der Verein “Autonome Österreichische Frauenhäuser AOEF” und das “Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen” in ihrer Petition.

Neue Regelung gefordert

Das Kindeswohl werde zugunsten ausgedehnter Kontaktrechte der Väter geopfert, auch wenn sie gewalttätig sind. Kinderrechte kommen unter die Räder, weil man – wissenschaftlich unsubstantiiert – Kindern unter 14 Jahren keinen eigenständigen Willen zugestehe. Mütter würden gezwungen, die Selbstbestimmtheit über ihr und das Leben ihrer Kinder aufzugeben. “Die Frauen stimmen allen möglichen Regelungen zu, weil sie Angst haben, das Kind ganz zu verlieren”, sagt Frauenring-Vorsitzende Klaudia Frieben.

Selbst bei gewalttätigen Männern werde den Kindern der Kontakt zum Vater aufgezwungen. “Das ist unfassbar”, schildert Andrea Czak vom Verein Feministische Alleinerzieherinnen die Situation. Die Mütter würden als “hysterisch und bindungsintolerant hingestellt” und es werde ihnen damit gedroht, ihnen die Kinder wegzunehmen.

Die Frauenorganisationen fordern vom Justizministerium, keine neuen Regelungen im Kindschaftsrecht zu schaffen, bevor die bestehenden Probleme nicht gelöst seien. Die Interessensvertreterinnen sind explizit gegen eine automatische gemeinsame Obsorge für unverheiratete Paare, gegen eine Mindestbetreuungszeit für beide Elternteile beziehungsweise eine verpflichtende Doppelresidenz. Sie lehnen auch eine Koppelung der Unterhaltsleistung an die Betreuungszeit ab und sie verlangen oberste Priorität für den Gewaltschutz. “Kontaktrechte gewalttätiger Kindesväter dürfen niemals Vorrang vor Gewaltschutz haben”, heißt es in der Petition. Gefährdern sollen von Amtswegen die Obsorge- und Kontaktrechten eingeschränkt oder entzogen werden.

Zu lange Verfahren

Betroffene Frauen berichten, dass sie bei Pflegschaftsgerichten, bei der Kinder- und Jugendhilfe, der Familiengerichtshilfe, bei Gutachtern, Elternberatern und Mediatoren institutioneller Gewalt ausgesetzt seien. Die APA hat mit mehreren betroffenen Müttern gesprochen und ihre Erfahrungen verglichen. Die Erzählungen sind sehr ähnlich: Die Verfahren ziehen sich über Jahre und zermürben die Frauen. Diese stimmen irgendwann Regelungen zu, die sie nicht wollen und auch für ihre Kinder nicht gut sind.

Eine Frau aus der Steiermark, die mit dem Kindsvater um das Obsorgerecht für den siebenjährigen Sohn vor Gericht kämpft, erzählt, dass sie als Mutter das Kontaktrecht nicht kritisieren dürfe, da ihr vom Gericht sonst Bindungsintoleranz unterstellt werde. “Und wenn das Kontaktrecht nicht funktioniert, wird man als Mutter verantwortlich gemacht.” Ihr Sohn verweigere immer wieder den Kontakt zum Vater, werde vom Gericht aber dazu gezwungen. “Wir stolpern von einem Gutachten zum nächsten, von einer Verhandlung zu nächsten.” Vergangenes Jahr habe der Vater die Hälfte aller Ferien zugesprochen bekommen, obwohl der Sohn nicht zu ihm wollte. “Der Gutachter meinte, man muss es hinnehmen, dass das Kind weinend nach Hause kommt.” Seit November 2021 verweigere ihr Sohn beharrlich den Kontakt zum Vater, da er Angst habe, dass ihn sein Vater nicht mehr nach Hause bringe. “Er hat Angstzustände und leidet unter Albträumen.” Die Ängste des Kindes würden vom Gericht aber ignoriert werden, klagt die Mutter, die anonym bleiben will.

Kontakt aufgezwungen

Ähnlich ist auch die Geschichte einer Wienerin, die inzwischen in Vorarlberg wohnt. Sie sei seit 2013 in einem Pflegschaftsverfahren um ihre Tochter und es sei kein Ende in Sicht, weil der Kindsvater immer wieder neue Anträge stelle. Das Gericht sei nicht willens, das Verfahren zu beenden, obwohl dieses seit sechs Jahren andauere. Die Frau hat nach Eigenangaben den Vater verlassen, als das – mittlerweile siebenjährige – Kind noch kein Jahr alt war, weil der Mann gewalttätig geworden sei. Die Tochter wolle nicht zu ihrem leiblichen Vater, werde dazu aber vom Gericht gezwungen. “Ich sehe das Gericht nicht mehr als neutral an”, sagt die Frau. “Ich habe den Eindruck, vor Gericht wird eine Parallelrealität geschaffen, die nichts mit der echten Realität des Kindes zu tun hat.” Väter würden mit Hilfe des Gerichts Psychoterror ausüben und die Kinder würden dabei krank gemacht. “Was mit dem Kindeswohl argumentiert wird, ist das genaue Gegenteil.” “Ich habe nach einer sechsstündigen Verhandlung einer Vereinbarung zugestimmt, die ich nicht wollte”, so die zweifache Mutter.

Trennung von einem Narzissten bei einem gemeinsamen Kind

Wenn man mit einem Menschen eine Familie gegründet hat, der eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat und sich trennen möchte, braucht man sehr starke Nerven. Ein Narzisst will nicht verlassen werden. Er hat eine sehr hohe Meinung von seinem Wert und seinem Status und wenig Sinn für alles Gemeinschaftliche. Er wird alles versprechen, damit Du es Dir anders überlegst. Er könnte eine Therapie vorschlagen, Versprechungen machen oder der Dir drohen, Dich stalken und Dich klein machen. Aber nicht, weil er Dich oder die Familie liebt, sondern um nicht verlassen zu werden, denn das entspricht nicht seiner Wertevorstellung von sich selbst.

Sich gütlich zu trennen ist fast aussichtslos, denn ein Narzisst ist nicht empathisch, sondern ausschließlich an Kontrolle und Bewunderung interessiert. Um Macht zu erlangen, ist ihm jedes Mittel recht, ungeachtet jeder Konsequenz. Er wird sich nicht für Dich ändern und Du kannst ihn nicht dazu bringen. Narzissmus ist keine schlechte Angewohnheit, sondern in der Persönlichkeit verankert, man nimmt an, genetisch bedingt.

Sich aus der narzisstischen Manipulation zu befreien, ist ein enormer Kraftakt. Sind Kinder im Spiel, ist es eine wahre Herausforderung, denn neben der Befreiung, möchte man seine Kinder schützen, damit sie die Trennung heil überstehen.

Diese Tipps helfen bei der Trennung:

Kümmere Dich um Dich selbst!

Es klingt falsch, aber das Beste ist, sich zunächst um sich selbst zu kümmern, denn nur eine ausgeglichene und stabile Mama kann die Bedürfnisse des Kindes sehen, spüren und erfüllen. Lerne, Dich nicht aus der Reserve locken zu lassen. Es ist wichtig, einen guten Kontakt zum Kind zu haben und das geht am besten ohne Stress.

Wie ist die Sicht des Kindes?

Das Kind befindet sich in einem Konflikt, denn es möchte unbedingt von beiden Elternteilen geliebt werden, spürt aber natürlich, dass der narzisstische Elternteil dazu nicht voll umfänglich in der Lage ist. Das weckt die Sehnsucht danach umso mehr. Es blutet Dir sicherlich das Herz, mitanzusehen, wie sehr Dein Kind um die Liebe kämpft, die es verdient hat und zu beobachten, wie wenig sie es  bekommt. Der Wunsch kann nicht aus der Welt geschafft werden, aber Du kannst Dein Kind stabilisieren.

Du unterstützt Dein Kind am besten, wenn Du liebevoll darauf reagierst, es unterstützt und für es da bist. Hole auch andere ins Boot, ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein Dorf!“. Suche Dir Menschen, die Euch gernhaben, baue Dir ein Netzwerk auf, gestalte aktiv Freundschaften – auch für Dein Kind. Bitte um Hilfe, wenn Du fertig oder überfordert bist.

Supervater oder abgewandt

Narzisstische Väter machen während der Trennungsphase oft eins dieser beiden Dinge: Entweder sie drehen völlig auf und sind plötzlich großzügig mit Geschenken, TV-Konsum, Aufbleiben und Süßigkeiten. Sie setzen kaum Grenzen und verbringen Zeit mit ihrem Nachwuchs wie nie zuvor.

Man könnte ausrasten, weil das natürlich alles unecht ist und völlig dem entgegensteht, was Du Dir für Dein Kind als gesunden Alltag wünschst.

Oder sie haben schlicht keine Lust auf ihr Kind und spannen ihre Eltern, die neue Freundin etc. ein oder stehen nicht verlässlich zur Verfügung, weil sie eigentlich gar nichts mit dem Kind anzufangen wissen.

Egal, was er macht, bleibe gelassen und versuche, für das Kind auszugleichen und Dich weiterhin an Deine Erziehungsgrundwerte zu halten. Falls Dein Kind sich auffällig verhält (zu angepasst, zurückgezogen, still oder nicht zu bändigen ist, etc.), scheue Dich nicht, professionelle Hilfe für Dein Kind zu organisieren. Meist weiß der Kinderarzt gute Adressen.

Kinderbetreuung als Machtmittel

Während einer Trennung bringen Narzissten oft plötzlich geteilte Kinderbetreuung auf den Plan. Angeblich möchten sie sich die Hälfte der Zeit ums Kind kümmern. Das kommt oft überraschend, denn bisher war davon keine Rede und der Alltag klar aufgeteilt, denn die Mutter übernimmt den Löwenanteil an der Kinderbetreuung.

Atme durch und hole Dir Hilfe. Bei dieser Äußerung geht es ausschließlich um Macht. Der narzisstische Vater hat weder Kapazität noch Lust, es geht ausschließlich darum, zu drohen und Macht auszuüben. Die sogenannte „Doppelresidenz“, also die Lebensweise, in welcher das Kind seine Zeit jeweils zur Hälfte bei einem Elternteil verbringt, wird nicht alleine vom Vater entschieden. Da es nur empfehlenswert ist, wenn die Eltern gut miteinander verhandeln können, landen diese Entscheidungen im Streitfall bei Gericht und dort wird dann zum Wohle des Kindes und nicht zum Wohle einer narzisstischen Persönlichkeit entschieden.

Teenager

Narzissten erzielen oft mehr Wirkung mit ihren Bestechungsversuchen, wenn die Kinder älter oder in der Pubertät sind. Die Kinder lassen sich dann leichter verführen, denn sie wollen sich abgrenzen. Oft macht der ehemalige Partner die Mutter auch noch schlecht.

Man kann wenig dagegen tun, während es passiert, denn die Kinder können selbst entscheiden. Aber: Ein gutes Verhältnis mit klaren Regeln und Prinzipien, auf die Verlass ist, geben dem Jugendlichen Sicherheit. Selbst wenn es in der Pubertät verführt ist von Reisen, Konsolen, Freiraum und Co., wird er langfristig nicht ins Wanken kommen. Versuche, ruhig zu bleiben, höre Deinem jugendlichen Kind aufmerksam zu, bleibe zugewandt, sei großzügig in Hinblick auf Emotionen und versuche nicht, dich auf den Wettkampf „Wer bietet mehr?“ einzulassen.

Die Kinder brauchen in dieser Zeit Freiraum, Liebe und Offenheit. Kümmere Dich gut um Dich!

Agieren statt Reagieren

Der narzisstische Ex fühlt sich angestachelt durch jeden erfolgreichen Versuch, Dich aus der Reserve zu locken. Es ist wahnsinnig schwer, aber versuche, nicht auf seine Angriffe und Machtspiele zu reagieren. Das meiste ist nur Drohgebärde und natürlich kennt er Dich und weiß, wo er ansetzen muss. Ohne Reaktion wird seine Lust, Macht zu demonstrieren, kleiner und schließlich wird sie schwinden. Ein Narzisst kann keine Bindung aufbauen, außer zu sich selbst. Er liebt ausschließlich das Gefühl, angebetet zu werden und will Kontrolle. Er wird sich weder Kritik zu Herzen nehmen, noch irgendetwas zu Gunsten der Ex oder seiner Kinder machen. Es geht ausschließlich um ihn selbst, deshalb ist eine faire Trennung nicht möglich, nur eine sehr Taktische.

Richte Deine Aufmerksamkeit nach innen. Lerne Deine Gefühle und Bedürfnisse kennen und setze Grenzen ohne ‚außer Dir‘ zu sein. Ein Narzisst kann nur mit Raffinesse aus dem Leben manövriert werden.

Diskutiere nicht mit ihm, bleibe klar aber nicht um jeden Preis konfrontativ. Manchmal bringt ein defensiver Ansatz mehr. Nicht zu reagieren und stattdessen bewusst zu agieren, ist nicht leicht, aber machbar. Wenn Dir das schwerfällt, ist ein Coaching manchmal hilfreich.

Kontakt: coachherberger@t-online.de, Tel. +49 1514 0004727

Die Autorin:

Claudia Herberger ist 50 Jahre alt und lebt mit ihrer sechsköpfigen Patchwork-Familie in Hamburg. Daran sieht man, dass sie mindestens eine Trennung hinter sich hat. Diese Ent-Paarung war eine wirkliche Herausforderung für sie, denn sie hatte alles zu bieten, was man sich auf gar keinen Fall wünscht. Claudia Herberger hat sich damals auf die Suche nach einer Art Anleitung gemacht, denn sie fühlte sich total überfordert und zerrissen vom eigenen Schmerz, der Wut und Ohnmacht und der Verantwortung gegenüber ihren eigenen Kindern. Letztlich hat sie es trotz einiger kleinerer Kollateralschäden mit viel Unterstützung von außen geschafft, alle heil durch die Trennung zu bringen. Natürlich hat auch die Patchwork-Situation einige Herausforderungen zu bieten, aber mit einem sehr achtsamen Miteinander und viel Raum für alle Emotionen hat sie die Situation gut gemeistert.

Beruflich hat sie einiges erlebt, ist seit 1995 in der Filmbranche und seit über zwanzig Jahren Filmproduzentin mit einem eigenen Unternehmen.

Ihre eigene Geschichte hat sie zur Arbeit von Bestsellerautorin und Therapeutin Katherine Woodward Thomas gebracht. Bei ihr ist Claudia Herberger seither in  Ausbildung und erlebt, wie wirkungsvoll und heilsam der Prozess für Menschen ist, die sich mit Verlusten auseinandersetzen, da der Ansatz selbstermächtigend ist. Dies gefällt ihr besonders gut.

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