Die DARVO-Strategie

Hast Du schon einmal von der „DARVO-Strategie“ gehört? Vielleicht noch nicht, viele von uns haben diese Täterstrategie schon erlebt, ohne sie benannt oder erkannt zu haben:

D – deny (leugnen)
A – attack (angreifen)
RVO – reverse victim and offender (Täter-Opfer-Umkehr)

Der Begriff wurde von Prof. Jennifer Freyd, einer US-amerikanischen Psychologin und Traumaforscherin, geprägt. Ihr fiel auf, dass Sexualstraftäter immer in den gleichen Mustern agierten, wenn sie mit ihren Taten konfrontiert wurden: https://www.jjfreyd.com/darvo.
Heute wissen wir, dass auch narzisstische oder emotional missbräuchliche Partner und Täter von häuslicher Gewalt und Nachtrennungsgewalt diese manipulative Taktik verwenden. Zahlreiche manipulative Techniken kommen dabei zum Einsatz, zum Beispiel Gaslighting, Projektion und gezielte Überlastung der Behörden. DARVO wirkt mehrheitlich gegen Frauen.

Ziel der Täter ist, sich selbst als das eigentliche Opfer darzustellen, um Kontrolle über ihre Opfer auszuüben und ein Machtungleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Das gefährliche daran: Häufig wird den Tätern auch geglaubt, auch von Institutionen von Polizei oder vor Gericht und in familiengerichtlichen Gutachten. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass bei bis zu einem Fünftel der Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt beide Partner verhaftet wurden, also auch das Opfer. Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass Opfern von geschlechterspezifischer Gewalt und Frauen im Allgemeinen weniger als Männern geglaubt wird. Das nennt man auch „Gendered Credibility Gap“. Wendet ein Täter nun die DARVO-Strategie vor Behörden an, so haben weibliche oder kindliche Opfer schlechte Karten: Ihnen wird seltener geglaubt.

In ihrem Konzept des „institutionellen Verrats“ (institutional betrayal), wir würden sagen „institutionelle Gewalt“, beschreibt Jennifer Freyd, wie staatliche Institutionen wie Gerichte, Polizei, Jugendämter oder Schulen systematisch darin versagen, Gewaltbetroffene Opfer zu schützen. Das hat strukturelle Gründe:

  • Institutionen wollen Konflikte „neutral“ behandeln – und verharmlosen dadurch Gewalt.
  • Mitarbeiter*innen sind häufig nicht geschult im Erkennen (psychischer) Gewalt oder Täterstrategien.
  • Aussagen gewalttätiger Väter werden oft als oft als Ausdruck eines wechselseitigen Konflikts dargestellt während Mütter erst beweisen müssen, dass sie keine Täterinnen sind.

Behörden spielen bei DARVO also nicht nur eine Nebenrolle, sie wirken als Verstärker und machen damit psychische Gewalt oft unsichtbar und wirkungsvoller. Prof. Freyd sieht aber auch Chancen: Sie nennt das „institutional courage“, also institutionellen Mut. Durch Fortbildung der Mitarbeiter*innen von Institutionen können diese DARVO erkennen und so die tatsächlichen Opfer schützen.

 

FEM.A fordert deshalb:

  • Flächendeckende Fortbildung aller in Pflegschaftsverfahren beteiligten Professionen über DARVO und andere Täterstrategien, Traumafolgen, psychischer Gewalt, und Dynamiken von Missbrauch
  • Mehr institutioneller Mut: Durchgehende Anwendung der Istanbul- und Lanzarote-Konvention, sowie der Handreiche zum Umgang mit Gewalt im Zusammenhang mit Obsorge und Kontaktrecht
  • Ausreichende finanzielle Absicherung aller Beratungsstellen, die Opfer von Gewalt, insbesondere Alleinerzieher*innen, beraten.

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