Wie die Sorgfaltspflicht gegenüber Kindern missachtet wird
Dass der Eindruck entsteht, dass es vor allem Trennungsväter sind, die unfreiwillig unter dem Kontaktabbruch zu ihren Kindern leiden, liegt vor allem an der österreichischen Judikatur: Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat festgestellt, dass es zwar dem Kindeswohl entspreche, das Kind gegen seinen Willen zum Kontakt mit dem Vater zu zwingen:
Es entspreche laut OGH aber nicht dem Kindeswohl, den Vater gegen dessen Willen zum Kontakt mit dem Kind zu zwingen:
Die vielen Kinder, deren Väter sich nach der Trennung um sie kümmern, können den Kontakt nicht einklagen und haben keine Stimme!
So zeigt der kürzliche Artikel im @profilonline vor allem eine Sicht: Die der Väter, deren Kinder den Kontakt ablehnen und die die Mütter dafür verantwortlich machen. Selbst ein Kind wird darin zitiert, das einen Brief an den Opa väterlicherseits schrieb, in dem es ihn bittet, aufzuhören, Anwälte und Gerichte zu beschäftigen: „Es stresst mich und kostet extrem viel Geld und Zeit.“ Die Journalistin fällt auf das Narrativ des Vaters herein und befindet: „Das klingt tatsächlich ‚eingeflüstert‘.“ Die frauenfeindlichen Manipulationen wirken. Obwohl es keine Daten dazu gibt, von wem der häufige Kontaktabbruch zwischen Vätern und Kindern nach der Trennung ausgeht, impliziert die Journalistin, dass Väter nach der Trennung an „den Sanktionen leiden, im Leben ihrer Kinder nicht präsent sein zu dürfen“. Mit etwas Einfühlungsvermögen kann man erkennen, was Familienrechtsverfahren für ein Kind bedeuten: Laut Artikel musste das besagte Kind mehrere psychologische Begutachtungen über sich ergehen lassen sowie Schlichtungsversuche durch die Rainbows. Eine extreme psychische Belastung, die sich über Jahre hinzog. Das Kind oder die Mutter wurden von der Journalistin übrigens nicht befragt, was die Grundvoraussetzung für eine objektive Berichterstattung gewesen wäre.
Eines steht fest: Kinder wenden sich nicht grundlos ab. Sie schützen sich. Nicht weil sie von der Mutter manipuliert werden, sondern weil sie selbst spüren, dass ihnen die Beziehung nicht guttut. Doch statt am Aufbau einer gesunden Bindung zu ihrem Kind zu arbeiten, konzentrieren sich manche Trennungsväter auf juristische Konflikte, die sie oft aufgrund ihrer finanziellen Besserstellung zu gewinnen hoffen. Doch eines hat sich am Beispiel des Kindes gezeigt: Eine gute Bindung zu seinem Kind kann man nicht durch ein Gerichtsverfahren herstellen. Sie beruht allein auf der Beziehungsarbeit mit dem Kind, die schon seit der Geburt erarbeitet werden muss.
Der Artikel ist hinter der Paywall zu lesen: https://www.profil.at/gesellschaft/trennungskinder-und-vaeterrechte-debatten-um-eine-benachteiligung-nach-der-scheidung-oder-trennung/403066402
Unser Fazit:
- Es braucht dringend Weiterbildung für Journalist*innen, die über Trennung, Scheidung und Kontaktabbrüche schreiben.
- Unreflektierte Übernahme von frauenfeindlichen Narrativen durch Journalist*innen hilft weder den Kindern, noch den Müttern – besser wäre, Vätern eine Hilfestellung zum Bindungsaufbau zu geben.
- Die Sorgfaltspflicht muss von Journalist*innen zum Schutz der Kinder unbedingt eingehalten werden. Insbesondere dann, wenn der Klarname des Vaters in einer Zeitung veröffentlicht wird!

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