Kinderbeistand
Der Kinderbeistand wurde in erster Linie dazu eingerichtet, um Kinder in Pflegschaftsverfahren zu schützen. Insbesondere, wenn ein Kind vor Gericht gehört wird, stellt der Kinderbeistand sicher, dass die Stimme des Kindes gehört wird. Kinderbeistand ist ein*e psychosozial geschulte*r Begleiter*in mit Erfahrung in der Arbeit mit Kindern. Als unabhängige und qualifizierte Vertrauensperson soll er oder sie das Kinder im Gerichtsverfahren unterstützen.
Das Kind hat ein Recht, bei Gericht gehört zu werden, wenn über Obsorge und Besuchsrecht entschieden wird. Es hat auch ein Recht, dabei von einer oder einem Kinderbeiständ*in unterstützt zu werden. Diese begleitet das Kind zum Beispiel bei Terminen mit Gutachter*innen, dem Jugendamt und auch zu Gericht. Zu den Aufgaben des Kinderbeistands gehört es, ein Vertrauensverhältnis mit dem Kind aufzubauen, es über das Verfahren zu informieren und gemeinsam mit dem Kind seine Wünsche und Interessen vor Gericht und Behörden vorzutragen. Dabei darf der Kinderbeistand nur parteilich die Interessen des Kindes vertreten. Der Kinderbeistand hat Verschwiegenheitspflicht und darf die ihm anvertrauten Gesprächsinhalte nur mit Zustimmung des Kindes weitergeben, außer es liegt ein Notfall vor (zum Beispiel akute Kindeswohlgefährdung).
Der Kindesbeistand ist aus einem guten Gedanken heraus entstanden: Die Kinderrechte sollten gestärkt werden. Auch die Belastung des Kindes durch Termine bei Gericht sollte gesenkt werden. Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Rolle der Kinderbeistände für die Kinder nicht immer positiv ist: Denn neben Sozialarbeiter*innen vom Jugendamt, Gutachter*innen, Richter*innen muss ein Kind im Pflegschaftsverfahren nun noch mit einem oder einer weiteren Expert*in ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Dabei gelten für jede*n Expert*in andere Regeln: Gutachter*innen und Jugendamtmitarbeiter*innen haben andere Verschwiegenheitspflichten, für das Kind ist das schwer nachvollziehbar. Leider haben wir von vielen Müttern erfahren, dass in der Praxis Kinderbeistände nicht immer die Interessen des Kindes wahren, so wie vorgesehen. Fast alle durchlaufen eine Ausbildung am Arbeitskreis Psychoanalytische Pädagogik” (APP) in Wien, das vor allem von konservativen, anti-feministischen Denkern wie Helmuth Figdor geprägt wurden. Tendenziöse Beeinflussung von Kindern ist damit zumindest möglich. Wie uns Mütter berichten, haben ihre Kinder das auch bereits erlebt. Ob ein Kinderbeistand positiv für das Kind ist, hängt also oft von der Persönlichkeit des Kinderbeistands und Deinem Kind ab.
Ablauf
Zu Beginn trifft der Kinderbeistand die Eltern getrennt und in Abwesenheit des Kindes. Dabei erklärt sie oder er die Aufgaben und es können Fragen gestellt werden. Viele Kinderbeistände vereinbaren in der Folge wöchentliche Treffen, die eine Stunde dauern. Geschwister werden dabei getrennt gesehen. Das Kind ist normalerweise dann allein beim Kinderbeistand und wird von einem Elternteil hingebracht und geholt. Das Kind wird über die gesamte Dauer des Verfahrens begleitet. Oft kommt das Kind in den ersten zwei bis vier Monaten regelmäßig zu Gesprächen. Bei Tagsatzungen berichtet der Kinderbeistand bei der Verhandlung, ob und was das Kind mitteilen möchte. Der Kinderbeistand ist sechs Monate lang kostenlos, danach fallen Gebühren von 309 EUR pro Elternteil und Jahr an, wobei Verfahrenshilfe möglich ist. Der Kinderbeistand endet, sobald das Verfahren beendet ist.
Webinare zum Thema Kinderbeistand
Artikel und Infos zum Thema Kinderbeistand
Bericht der UN- Sonderberichterstatterin Reem Alsalem
“Sorgerecht, Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Kinder“ 53. UN-Menschenrechtsrat Juni 2023 Die...
Warum die Existenz von Kindern von Alleinerzieherinnen trotz aktueller Kinderkostenanalyse weiterhin gefährdet ist
Trotz vorliegender Kinderkostenanalyse 2021 wird die Existenzgefährdung von Minderjährigen durch Richter*innen...
Warum es genau jetzt eine Unterhaltsgarantie braucht
Lange Zeit stand die Unterhaltsgarantie für Kinder von Alleinerzieherinnen in diversen Regierungsprogrammen – zur...
Wie viel kostet ein Kind?
Bis vor kurzem war das eine Black Box. Doch seit 2021 gibt es die von vielen heißersehnte Kinderkostenstudie. Sie...
input for the sr VAGM’s report on violence against women and children in custody cases
Read the article online >> Submitted, on 15 December 2022, by Verein Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A (The...
Offener Brief “Gewaltschutz im Familienrecht”
Liebe Justizministerin, liebe Frauenministerin, liebes Bundesministerium für Familie und Jugend, liebe Politiker und...
Ein neues Kindschaftsrecht – eine bessere Zukunft für Kinder nach erlebter häuslicher Gewalt?
Aus der Erfahrung mit immer mehr langjährigen und kostenintensiven Obsorgeverfahren vor den Familiengerichten bei...
Psychologin zu neuer Kindschaftsrechtsnovelle: “Kinder leben im ständigen Hin und Her”
Die Justiz will Kinderrechte stärken – und nach Trennung das Modell der Doppelresidenz forcieren. Doch es fehlt ein...
Neues Kindschaftsrecht: Um das Wohl der Kinder geht es hier nicht
Im türkis-grünen Regierungsprogramm steht eine Novelle für das Kindschaftsrecht. Eigentlich sollte das Konzept dafür...
Warum bei der Reform des Kindschaftsrechts einige Alarmglocken läuten
Wenn Eltern sich trennen oder scheiden lassen, haben die Kinder genug zu verarbeiten. Im Scheidungsverfahren sollte...
Arbeiten in der Familiengerichtshilfe: “Wir sind total überlastet.”
In den vergangenen Wochen haben wir auf MOMENT.at ein Dossier (Teil 1, Teil 2) über...
Mütter werden streng geprüft
In Österreich soll ein neues Kindschaftsrecht nach skandinavischem Vorbild etabliert werden. Was ist dran am...











