Wie Väterrechtler durch die Falschinterpretation von Studien politische Stimmungsmache gegen Mütter betreiben.
Dieser Gastkommentar ist online in “Die Presse” am 25.06.2026 erschienen.
Der Väterrechtler Anton Pototschnig nimmt in seinem Gastkommentar, der am 15. Juni in der „Presse“ veröffentlicht wurde, den Vatertag zum Anlass, um die finanziellen Einbußen von Trennungsvätern und ihre angebliche Benachteiligung durch Behörden zu beklagen. Tatsächlich sind es Mütter, die mit ihren Kindern in Armut leben: 48 Prozent der Alleinerziehenden lebten 2025 in Armut oder Ausgrenzung, 89 Prozent von ihnen sind weiblich.
Einer der Gründe ist, dass in der aufrechten Beziehung vor allem die Mütter die Care-Arbeit übernehmen – Väter leisten sogar weniger unbezahlte Arbeit als kinderlose Männer in Paarbeziehungen (vgl. Zeitverwendungsanalyse aus dem Jahr 2021). Etwa drei Viertel der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten deshalb in Teilzeit, bei Vätern sind es weniger als neun Prozent. Nur jeder fünfte Vater geht überhaupt in Karenz, meist in den Sommermonaten. Weniger als ein Prozent bleibt länger als sechs Monate in Karenz. Die Möglichkeit des Papamonats wird nur von 15 Prozent der Väter genutzt.
Nach der Trennung ändert sich die Väterbeteiligung kaum: Nicht einmal 20 Prozent der Kinder sehen ihren Vater mehrmals die Woche. Etwa ein Drittel der Kinder sieht ihren Vater höchstens einmal im Monat oder gar nicht. Gleichzeitig erhält nur etwa die Hälfte der Kinder Unterhaltszahlungen vom Vater, und dann im Schnitt nur etwa ein Drittel der Kinderkosten. 36 Prozent der Kinder erhalten keinerlei Leistungen, auch keinen Unterhaltsvorschuss.
Dass Trennungen teuer sind, liegt auf der Hand: Es müssen zwei Wohnsitze bezahlt werden, Synergieeffekte entfallen. Es gibt allerdings kein eigenes Unterhaltsgesetz, die finanziellen Folgen der Trennung treffen vor allem Mütter. Wie erwähnt sind 89 Prozent der Alleinerziehenden Mütter. Sie tragen die Konsequenzen des Karriereknicks, von Karenz und Teilzeit allein und werden für ihre Aufopferung mit Armut bestraft.
Umso erschreckender mutet Pototschnigs Behauptung von einer „gläsernen Decke“ für Väter an. Selbst die von ihm zitierte Studie über Care-Leaver zeigt: Die Vater-Kind-Beziehungen zeichnen sich vor allem durch die Abwesenheit der Väter aus. Pototschnig deutet in bekannter Manier väterrechtlicher Kampagnen Studien um. Wer sich die Mühe macht, die im Text zitierten Studien zu lesen, erkennt rasch, dass sich die Aussagen nicht belegen lassen. Etwa die angebliche Ausgrenzung von Vätern in ihrer Beziehung zum Kind durch die Kinder- und Jugendhilfe – dazu wäre die Methode der Studie auch gar nicht geeignet.
Perfide Insinuirung
Noch perfider ist Pototschnigs Insinuierung, es gäbe einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Wechselmodell, bei dem die Eltern nach der Trennung ihr Kind zu etwa gleichen Teilen betreuen, und einer sinkenden Zahl an Femiziden und Partnergewalt in Spanien. Er versucht so, die extremste Form der Partnergewalt in ein Werbeargument für ein Betreuungsmodell zu verwandeln, das in der Praxis Mütter, die bereits vor der Trennung von Gewalt betroffen waren, zusätzlich gefährdet. Auch hier: Die Studie dazu zeigt keine kausalen Zusammenhänge, die Indikatoren eignen sich dafür nicht.
Dabei hat Pototschnig am Ende eines erkannt: Die berufliche Basis für die Kinderbetreuung aufzugeben, mit der Gewissheit, im Trennungsfall alles zu verlieren und mit den Kindern in Armut zu leben, ist kein attraktives Modell. Das ist allerdings die Realität der alleinerziehenden Mütter, nicht der Trennungsväter.
Über die Autorin
Andrea Czak, MA ist geschäftsführende Obfrau des Vereins Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A. Sie ist selbst alleinerziehende Mutter einer Tochter. Seit 2017 setzt sie sich als politische Aktivistin für alleinerziehende Mütter und ihre Kinder ein. Sie hat den Verein gegründet, weil sie gegen die Ungerechtigkeit, die alleinerziehende Mütter und ihre Kinder vor Gericht erfahren, aufstehen wollte. Als Obfrau vertritt sie den Verein nach außen, indem sie ihn bei Veranstaltungen repräsentiert, sich um die Vernetzung kümmert und die Öffentlichkeitsarbeit gestaltet.

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