In Deutschland wusste man schon seit 2010 von Missbrauch in SOS Kinderdörfern, in Österreich seit 2018. Doch erst jetzt wird den Betroffenen geglaubt, obwohl die Kinder und Eltern alles versucht haben, um den Missbrauch zu stoppen. Medien wollten nicht darüber berichten, die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen eingestellt, SOS Kinderdorf selbst das Wissen unter den Tisch gekehrt. Das zeigt: Der Kinderschutz und die Kontrollmechanismen funktionieren nicht. Es braucht deshalb mehr als die Aufarbeitung einzelner Fälle.
2018.
Die Liste Pilz bringt die Missstände bezüglich der Kindesabnahmen und die fürchterlichen Zustände im Nationalrat ein. Maria Stern, Peter Kolb und ihre Mitstreiter*innen verfassen Presseaussendungen, geben Pressekonferenzen. Auch unsere Obfrau Andrea Czak war damals dabei. FEM.A gab es damals noch nicht. Doch es geschieht: Nichts. Stattdessen wurde die Kinder- und Jugendhilfe zur Ländersache gemacht, und so dem Wirkkreis der Liste Pilz entzogen. Die Presse schweigt großteils dazu, will trotz handfester Beweise nicht berichten.
Ein einziges Heim in der Nähe von Graz, in dem Kinder misshandelt und vernachlässigt wurden, konnte geschlossen werden. Doch es liegt Material zu viel mehr Heimen und zu zahlreichen ungerechtfertigten Kindesabnahmen vor.
Erst im Mai haben wir gemeinsam mit Maria Stern, Maria Rösslhumer und Barbara Beclin dem Justizministerium abermals über die Missstände berichtet. Immer wieder haben wir in Pressekonferenzen auf die Missstände aufmerksam gemacht. Auch uns wurde nicht zugehört. Es wirkt etwas befremdlich, dass erst jetzt, nach den Berichten von Falter und dem Standard, die Betroffenen ernstgenommen werden, erst jetzt setzt sich langsam etwas in Bewegung. Besser spät als nie, möchte man denken, doch in der Zwischenzeit wurden viele Kinderseelen zerstört.
Die Aufklärung muss diesmal weitergehen. Sie darf sich nicht auf die einzelnen Heime beschränken. Was die Dimension des Skandals zeigt: Hier ist ein grober Fehler im System. Die Kontrollmechanismen fehlen und die die es gibt, haben nicht gegriffen. Diese groben Fehler selbst haben System: Schon 2010 gab es in Deutschland die gleichen Anschuldigungen gegen SOS Kinderdörfer. Missbrauch in Kinderheimen hat auch in Österreich große Tradition – egal, ob in staatlichen, kirchlichen oder privaten Einrichtungen: Er ist so häufig, dass es sogar eine eigene „Heimopferrente“ für Betroffene gibt. Der Missbrauch in Kinderheimen muss endlich beendet werden!
Die Aufklärung muss auch die ungerechtfertigten Kindesabnahmen einschließen – denn immer wieder werden Kinder ungerechtfertigt aus einem liebevollen Zuhause abgenommen und an Orte verbracht, wo Kinder vernachlässigt und misshandelt werden. Die Kinder werden vor allem auch gegen ihren Willen aus ihrem Zuhause entfernt, nicht selten mit Polizeigewalt.
Hier geht es um Kinderleben, um Existenzen. Die Kinder haben Schutz und Gerechtigkeit verdient!
Was wir seit langem fordern:
👉 Es braucht eine unabhängige Ombudsstelle zur Untersuchung ungerechtfertigter Kindesabnahmen und ein unabhängiges Kontrollorgan, das die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe prüft
👉 Kinder müssen vorrangig bei ihrer leiblichen Familie bleiben können – außer bei Gewalt!
👉 „Gefahr in Verzug“ im Kontext einer Kindesabnahme muss gesetzlich geregelt werden, nämlich als unmittelbare Gefahr für Leib und Leben des Kindes. Die Kriterien müssen genau festgelegt werden, damit Vorurteile, seien sie bezogen auf die Familienform (Alleinerzieherinnen), Gewalterfahrung der Bezugsperson, das Geschlecht, Behinderungen oder Lernschwierigkeiten, die zugeschriebene Herkunft, Religion, Kultur, Armut oder andere Merkmale, nicht zur Diskriminierung von Familien beitragen.
Alle unsere Forderungen finden sich in unserem Forderungskatalog: https://verein-fema.at/forderungskatalog/

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