Wurdest Du in Deinem Pflegschaftsverfahren von einer Frau, die in einer Entscheidungsposition ist, diskriminiert? Du hast geglaubt, wenigstens von einer Frau in Deiner Mutterrolle verstanden zu werden? Von jenen, die in Pflegschaftsverfahren Macht über Deine Realität haben: Richterinnen, Gutachterinnen, Mitarbeiterinnen der Kinder- und Jugendhilfe und der Familiengerichtshilfe, Mediatorinnen, Elternberaterinnen und Rechtspflegerinnen. Doch was Du erlebt hast, war keine weibliche Solidarität, es war Disziplinierung. Du hast patriarchale Macht, ausgeübt durch eine Frau, erlebt.
Warum das so weh tut? Weil es sich anfühlt, als würde eine Frau, die Deine Lebensrealität nachfühlen könnte, Deine Erfahrungen nicht verstehen und sogar verurteilen. Und weil die Botschaft lautet: Wenn Du zu laut bist, zu unbequem, zu klar benennst, dass Dein Kind eventuell durch den gewalttätigen Kindesvater gefährdet ist, dann wird Dir nicht geglaubt und eine Täter-Opfer-Umkehr vorgenommen. Dann wirst Du zum Problem.
Viele Frauen, die in diesem System arbeiten, wurden dafür belohnt, dass sie sich fügen. Die Karriereleiter im Patriarchat hilft und unterstützt Frauen, die die Spielregeln des Patriarchats mitspielen. Wer schweigt, steigt auf. Wer gehorcht, wird gelobt. Wer die Gewalt der Männer ignoriert, gilt als „vernünftig“. So entstehen Entscheidungen, die Gewalt verharmlosen und Mütter brechen. So werden Täter zu „besorgten Vätern“, das Schutzverhalten der Mutter zu „Gatekeeping“ und die Angst der Kinder zu „manipulierten Kindern“.
In diesem System zählt nicht, wie es Deinem Kind geht, sondern wie schnell das Verfahren abgeschlossen werden kann, egal um welchen Preis. Konsens wird zur obersten Pflicht. Auch wenn dieser Konsens heißt: Kontakt mit einem gewalttätigen Vater zu akzeptieren, selbst wenn das Kind und in Folge die Mutter darunter leiden.
Das ist keine Panne. Das ist ein System, das Täter schützt, Frauen die Gefahr aufzeigen, abwertet und gefügig macht und Kinder verrät, weil ihre Angst unbequem ist. Wenn Du also gespürt hast, wie sehr es schmerzt, von Frauen, die in Entscheidungspositionen in Pflegschaftsverfahren sind, diskriminiert zu werden: Du hast Recht. Was Dir widerfahren ist, ist ein Unrecht, das im Dienste des Patriarchats geschah.

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