Jahrzehntelang hatten rechtsgerichtete Väterrechtsorganisationen wenig bis keinen Zulauf, und auch wenig Einfluss. Doch der Trend hat sich gewandelt. Mittlerweile sind sie zahlreich in verschiedenen Arbeitsgruppen in Ministerien vertreten, bekommen immer wieder die Möglichkeit, im Parlament vorzusprechen, bekommen Beraterverträge von Ministerien und nehmen massiv Einfluss im Bereich Familienrecht. Durch sprachliche Tarnung, Diskurspiraterie und strategische Umdeutung gesellschaftlicher Anliegen haben sie es geschafft, sich als gleichstellungsorientierte Akteure zu inszenieren und salonfähig zu werden.
Forderungen und Ziele der Väterrechtler damals und heute
Vergleicht man die Ziele und Forderungen der Väterrechtler seit ihrem Beginn der 80iger und 90iger Jahre, hat sich wenig verändert: Sie kämpfen gegen die Emanzipation der Frau, Feminismus und LGBTQI+ Rechte. Sie setzen sich vor allem dafür ein, auch nach der Trennung Instrumente zu behalten, um Macht und Kontrolle über die Ex-Partnerin und die gemeinsamen Kinder auszuüben. Das Mittel der Wahl ist dabei die gemeinsame Obsorge und das Kontaktrecht. Sie fordern die gemeinsame Obsorge ab der Vaterschaftsanerkennung, auch bei unverheirateten Eltern. Außerdem fordern sie ein automatisches Wechselmodell nach der Trennung, bei dem die Kinder zu gleichen Teilen jeweils bei Vater und Mutter leben. Ein Modell, bei dem in der Regel keine Unterhaltszahlungen anfallen, und das, abgesehen vom „Nestmodell“, das teuerste und kommunikationsintensivste Modell ist. Mütter sollen so nach der Trennung oder Scheidung emotional und finanziell unter Druck gesetzt werden.
Weiters treten die Väterrechtsvereine für eine gesetzliche Verankerung des „Parental Alienation Syndrome“ oder der „Eltern-Kind-Entfremdung“ ein. Diese Verankerung fand sich auch in den geleakten Dokumenten zum Regierungsprogramm der von ÖVP und FPÖ angestrebten Koalition nach den Nationalratswahlen 2025 wieder. Dieser pseudowissenschaftliche Begriff wurde von pädokriminellen Netzwerken und rechtsgerichteten Männerbünden international etabliert, um den Vorwurf sexuellen Missbrauchs durch den Vater am eigenen Kind zu entkräften. Dabei wird die Mutter beschuldigt, wenn ein Kind den Kontakt zum biologischen Vater ablehnt, sie würde es manipulieren – ohne dass es für die Beschuldigung weiterer Evidenz bedarf. Weiters wird die biologistische Behauptung aufgestellt, der Kontakt zwischen Kindern und ihren biologischen Vätern wäre für das Kind immer unabkömmlich. Würde dieser fehlen, stelle das eine Kindeswohlgefährdung dar. In der weiteren Logik wird Täter-Opfer-Umkehr betrieben: Lehnt ein Kind den Kontakt zum Vater ab, etwa weil es selbst psychische oder physische Gewalt erlitten hat, oder miterlebt hat, wie die Mutter Opfer dieser Gewalt durch den Vater wurde, wird sie der Kindeswohlgefährdung bezichtigt.
Eindeutige Verbindungen zwischen Väterrechtlern und rechten und religiösen Netzwerken
Die Verbindung zwischen rechten Netzwerken und Väterrechtlern in Österreich besteht seit jeher und hat sich auch im Laufe der Zeit nicht wesentlich gewandelt. Die Vereine und Einzelpersonen, die den Väterrechtlern zugeordnet werden können, stehen in regem Austausch mit rechten Parteien, insbesondere der FPÖ. Die Väterrechtsvereine sind darüber hinaus international vernetzt: Der von Correctiv als radikal eingestufte Verein „Väteraufbruch für Kinder“ in Karlsruhe mit seinem Obmann Franzjörg Krieg unterhält zum Beispiel Kontakte mit österreichischen Vereinen wie der “PLATTFORM DOPPELRESIDENZ” Verein für Trennungsfamilien.
Auch in Vorarlberg gibt es Verbindungen zwischen der katholischen Männerbewegung (KMB) und dem Väterrechtlerverein „Papa gibt Gas“. Sie richteten zum Beispiel gemeinsam die „Väterweihnacht“ im geschmückte Kapuzinerkloster „Fidelis“ in Feldkirch aus. Domvikar Walter Metzler zelebrierte dort feierlich eine Andacht für Eltern in Trennungssituationen und ihre Angehörigen.
Die Väterrechtsvereine sind darüber hinaus international vernetzt: Der von Correctiv als radikal eingestuftem Verein „Väteraufbruch für Kinder“ in Karlsruhe mit seinem Obmann Franzjörg Krieg, unterhält zum Beispiel Kontakte mit österreichischen Vereinen wie „Plattform Doppelresidenz“ und dem Obmann des Vereins „Wir Väter“. Die deutsche Väterrechtsszene ist wiederum eng verbunden mit der als gesichert rechtsradikal geltenden AfD. Auch der Verein „Väter ohne Rechte“ ist stark international vernetzt: Über die „Platform for European Fathers (PEF)“ stehen sie mit ähnlich gesinnten Vereinen aus ganz Europa in Kontakt. Darüber hinaus gibt es den „International Council on Shared Parenting“ (Internationaler Rat für die Paritätische Doppelresidenz, ICSP), der bei regelmäßigen internationalen Konferenzen einen Austausch über Agenda und Argumentationshilfen für Väterrechtler speziell zum Thema Wechselmodell (auch „Doppelresidenz“) ermöglicht.
Das neue Ziel der Väterrechtler: Politische Einflussnahme
Die öffentlich radikalen und frauenfeindlichen Äußerungen vieler Väterrechtsvereine hat oft ihre öffentliche Teilnahme am politischen Diskurs verhindert. Mit Ausnahme der FPÖ und des BZÖ wollten weder Parteien noch die Zivilgesellschaft mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Um öffentlich am politischen Diskurs teilnehmen zu können, brauchte es daher Organisationen mit seriösem Anschein, die salonfähig sind. Im Jahr 2022 wurde deshalb zum Beispiel der Verein „Wir Väter“ gegründet, der aus den gleichen Personen wie die 2010 gegründete „Plattform Doppelresidenz“ besteht. Auch wenn man nicht davon ausgehen kann, dass alle Mitglieder des Vereins Verbindungen zur rechten Szene haben, sind die Verbindungen des Obmanns in diese Szene stark dokumentiert.
Gleiche Ziele, neuer Diskurs: Täuschung, Tarnung, Ablenkung
Vor über zehn Jahren traten die Väterrechtler großteils radikal auf: So verwendeten sie Begriffe wie „Frauenhausjäger“, veröffentlichten die Adressen der geschützten Frauenhäuser, waren offen rechtsradikal und frauenfeindlich. Es ging sogar bis zu offenen Drohungen und Diffamierungen. Das Resultat: Die Webseiten, auf denen sie diese Inhalte publizierten, mussten aufgrund der wiederholten Verstöße vom Netz genommen werden. Auch der Einfluss dieser Gruppierungen auf die Politik hielt sich in Grenzen. Während die Väterrechtler schon von Beginn an stark international vernetzt waren, hat sich die Szene inzwischen international professionalisiert. Auch die österreichischen Gruppierungen folgen dem neuen Diskurs und setzen auf verschiedene Techniken der Verschleierung.
So zeigen die Webseiten der Väterrechtsvereine heute durchwegs ein einheitliches Bild: Sie setzen sich scheinbar für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, für Kinderrechte und das Kindeswohl und sogar für den Gewaltschutz ein. Ein genauerer Blick zeigt: Diese Ziele stehen allerdings diametral zu ihren Forderungen. Wie kann hier der Bogen gespannt werden?
Die aktuelle Rhetorik folgt den Instrumenten, die vor allem rechtspopulistische Organisationen international benutzen: Diskurspiraterie, das Reframing von Diskursen, die Umdeutung von Begriffen, sprachliche Verwirrspiele, systematische Täuschung und das Provozieren von Verwechslungen. Sie verwenden zum Beispiel emanzipatorische Begriffe, vertreten aber rückwärtsgewandte geschlechterpolitische Positionen. Hierzu einige Beispiele.
Mimikry in der Namensgebung: Instrumentalisierung des Kindeswohls für die Interessen der Väter
Schon die Vereinsnamen zeigen vielfach, wie die Väterrechtler die Rechte ihrer Kinder für sich instrumentalisieren wollen: Klingende Namen wie „Dialog für Kinder Österreich“, „L.U.C.A. Kinderschutzverein“, „Verein Kindergefühle“, „Bürgerinitiative Kinderrechte“ oder „Verein Aktion Recht des Kindes auf beide Eltern“ sollen über die wahren Interessen hinwegtäuschen. Schon Johanna Dohnal analysierte 1987: „Die Aktion ‚Recht des Kindes auf beide Eltern‘ wird hauptsächlich von Männern getragen. Sie will Rechte der Männer gegen die ehemalige Partnerin erwirken. Der Titel verschleiert die wahren Absichten. Denn das Recht des Kindes wird darin nicht erwähnt. Ziel ist vielmehr die Wiedereinführung von Druckmitteln gegen die geschiedene Mutter.“
Neben der Narrative des väterlichen Einsatzes für Kinderrechte wird auch mit dem Motiv des Vaters in der Opferrolle gearbeitet: Der Verein „Väter ohne Rechte“, der die angebliche Entmachtung des Vaters nach der Trennung anprangert, ähnlich wie „Vaterverbot“. Die neuesten Vereinsgründungen reihen sich eher in die „politische Korrektheit“ ein: So etwa „Wir Väter – Initiative für verantwortungsvolle Vaterschaft“ oder „Im Namen elterlicher Verantwortung (INeV) Verein für Beratung und Forschung zu Obsorgekonflikten”. Klingt doch schon viel besser, wenn man an Arbeitsgruppen in Ministerien teilnehmen will.
Täter-Opfer Umkehr
Nicht nur in der Namensgebung wird eine angebliche Opferrolle und Benachteiligung von Vätern suggeriert. Auch die Argumentationslinien ihrer Positionen folgen diesem Narrativ: Männer würden systematisch diskriminiert (sie seien nur „Zahlväter“ oder „wandelnde Bankomaten“), während Frauen angeblich Privilegien genießen. So gelingt den Väterrechtsorganisationen, öffentliche Sympathien zu gewinnen und politische Debatten zu beeinflussen. Ein Beispiel: Im von „Wir Väter“ veröffentlichen Leserbrief von Mag. Andreas R.c deutet er die gesetzliche Pflicht zur finanziellen Absicherung des Kindes, rhetorisch zur Opferrolle des Mannes mit dem Begriff „Zahlvater“ um. Er verschweigt, dass Mütter meist die Hauptbetreuung leisten, finanziell stark belastet sind und häufig keinen oder nicht den vollen Kindesunterhalt erhalten. Stattdessen werden sie als irrationale Täterinnen dargestellt, die Väter aus dem Leben der Kinder ausschließen – während diese sich als entrechtete Opfer eines angeblich mütterfreundlichen Justizsystems inszenieren. So wird männliche Verantwortung entpolitisiert, feministische Kritik entwertet und das Kindeswohl zur Nebenrolle degradiert.
Diskurspiraterie und Faktenauslassung: Halbe-halbe und das gute Leben
Bei der rhetorischen Strategie der Diskurspiraterie werden Begriffe und Themen, die ursprünglich aus anderen politischen oder gesellschaftlichen Kontexten stammen, bewusst aufgegriffen, umgedeutet und für gegensätzliche Ziele instrumentalisiert. Dies ist gut beim Gastkommentar „Halbe-halbe und das gute Leben“ in der Presse von Martin Busch zu sehen. Er übernimmt gezielt das feministische Konzept „Halbe-halbe“, um seine Forderung nach dem Wechselmodell als gesellschaftliche Norm salonfähig erscheinen zu lassen. „Halbe-halbe“ wird also von einer progressiven Forderung zu einem antifeministischen Argument gemacht, um Männern nach einer Trennung die Macht und Kontrolle über die Ex-Partnerin zu erhalten. Ähnlich geht Busch mit dem Begriff „das gute Leben“ um, der ursprünglich sozialdemokratisch geprägt ist und der solidarische Gesellschaftsentwürfe beschreibt. Busch verwendet auch diesen Begriff, um das Wechselmodell als Norm zu etablieren, denn ein „gutes Leben“ als Alleinerzieherin sei durch die prekäre finanzielle Lage und den Stress durch Beruf und Care-Arbeit nicht möglich. Er lässt dabei aber die wesentlichsten Fakten weg: Der Grund für die Armut von Alleinerzieher*innen sind die geringen oder fehlenden Unterhaltszahlungen der unterhaltspflichtigen Väter (siehe Unterhaltsbefragung der Statistik Austria, 2021). So schafft er es einerseits, seine Position als ethisch positiv erscheinen zu lassen und erzeugt einen Scheinkonsens durch seine Pseudo-Solidarität mit Alleinerzieher*innen. Seine antifeministische Forderung ist somit moralisch legitimiert und sozial akzeptabel.
Framing durch moralische Überhöhung
In der Replik von „Wir Väter“ auf das Interview mit Dr. Helene Klar in der Sendung „Partnerschaft statt Patriarchat – 50 Jahre Familienrechtsreform“ (ORF) wird der Begriff „wirklich feministisch“ zur moralischen Keule: „[…] Stattdessen braucht es echte Chancengleichheit und langfristige Lösungen gegen Armutsrisiken. „Wir Väter“ haben daher beispielsweise Übergangsunterhaltszahlungen für ein bis zwei Jahre nach einer Trennung vorgeschlagen und fordern die Einführung der Familienarbeitszeit. Das bedeutet Begegnung auf Augenhöhe, wirtschaftliche Eigenständigkeit und aktive Armutsprävention – oder anders gesagt: eine wirklich feministische Haltung.“
Wer hier widerspricht, ist demnach nicht wirklich feministisch. Diese Strategie dient der rhetorischen Immunisierung gegen Kritik: Der Diskursgegner (z. B. Klaar oder feministische Verbände) wird subtil als rückständig, paternalistisch oder sogar strukturerhaltend dargestellt, während sich der Väterrechtsverein als feministisch framt, wenn er antifeministische Forderungen wie einen zeitlich begrenzten Kindesunterhalt durchsetzen will.
Umbenennung, Differenzierung und rhetorische Entschärfung
Durch die hinlängliche Einordnung des Phantasie- und Kampfbegriffs „Parental Alienation Syndrome“, oder zu Deutsch „Eltern-Kind-Entfremdung“ werden laufend neue Begriffe eingeführt, um der negativen Konnotation entgegenzuwirken, während das Instrument erhalten bleibt. So hat sich das Synonym „Bindungsintoleranz“, ein Begriff, der ebenfalls unwissenschaftlich ist, bereits durchgesetzt. „Wir Väter“ geht einen Schritt weiter: Der Verein führt neu erfundene Begriffe wie „reaktive“ und „induzierte“ Eltern-Kind-Entfremdung ein. Das soll dazu dienen, das Konzept von PAS in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Während „reaktive“ Entfremdung auf nachvollziehbare Gründe wie Gewalt oder Vernachlässigung zurückgeführt wird, wird „induzierte“ Entfremdung als unbegründete Ablehnung eines Elternteils dargestellt, die durch den anderen Elternteil verursacht wird. Diese Differenzierung suggeriert eine wissenschaftliche Fundierung, obwohl „PAS“ in Fachkreisen als nicht evidenzbasiert und potenziell gefährlich gilt und dessen Verwendung vor Gericht in Deutschland und Italien verboten ist. Durch die Verwendung des Begriffs „induzierte Eltern-Kind-Entfremdung“ wird „PAS“ von seinem umstrittenen Ursprung distanziert. Die Website vermeidet es, die kritische Debatte um „PAS“ zu thematisieren, und präsentiert „I-EKE“ stattdessen als anerkanntes Phänomen. Dies trägt dazu bei, die problematischen Aspekte von „PAS“ zu verschleiern und es als legitimes Konzept im Diskurs zu etablieren.
Kausalitätsbehauptung und die Verwendung mangelhafter Studien
Eine weitere Taktik der Väterrechtler ist die falsche Interpretation von Studien und Statistiken, sowie die Verwendung von Studien, die tatsächlich nicht den wissenschaftlichen Standards entsprechen. Es wird schließlich behauptet, das Wechselmodell als Betreuungsmodell würde dem Kindeswohl ab besten entsprechen. Der Verein „Plattform doppelresidenz.at“ interpretiert statistische Korrelationen einer Studie zu Übernachtungen von Kleinkindern bei den getrennten Vätern in unzulässige Kausalzusammenhänge um. In der Studie wurde zwar klar festgehalten, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen den Übernachtungen und dem Kindeswohl besteht. Noch dazu kommt, dass die Stichprobe dieser Studie nicht repräsentativ ist (Vorselektion, keine Quoten, keine Information über Grundgesamtheit), und somit nicht als wissenschaftliche Basis dienen kann.
Tatsächlich wäre es zum Beispiel möglich, dass Väter, die eine gute, gefestigte Beziehung zu den Kindern haben, diese auch häufiger betreuen. Diese kausalen Zusammenhänge wurden nicht untersucht. Außerdem wird in der Studie angegeben, dass die wenigen Väter, die den Fragebogen beantwortet haben, zu 100% mehr Betreuungszeit wollten. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass sich die Studie auf die USA bezieht, wo gänzlich andere Rahmenbedingungen herrschen.
Hinzu kommt, dass die Ergebnisse einer Subgruppe auf die Grundgesamtheit generalisiert werden und sogar die Begriffe umgedeutet werden. Im konkreten Fall wird behaupte, die „vermehrten Übernachtungen“ wären gleichbedeutend mit einer Doppelresidenz. Tatsächlich würde diese Anzahl an Übernachtungen in Österreich noch in das Residenzmodell fallen. Weiters werden vermehrt Metaanalysen tendenziöser Wissenschaftler*innen zitiert. Diese Studien, die diesen Metaanalysen zugrunde liegen, entsprechen allerdings häufig nicht wissenschaftlichen Standards. So wird der Anschein erweckt, die bloße Einführung der Doppelresidenz führe automatisch zu besseren Ergebnissen für Kinder, obwohl dies wissenschaftlich nicht haltbar ist.
Wandel in den Strukturen: von rechtsradikalen zu Querfront Organisationen
Nicht nur der Diskurs hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, mit dem Ziel, in der öffentlichen Wahrnehmung als politisch korrekt zu erscheinen. Manche Organisationen haben den Auftritt als Querfront als organisatorischen Kniff gewählt, um sich einen „sauberen Anstrich“ zu verleihen. So hat sich zum Beispiel der Väterrechteverein „Wir Väter“ Anfang 2025 den Grünen Politiker Michael Bockhorni ins Boot geholt, der in Südtirol lebt und dort den Verein „Väter aktiv“ betreibt. Auch dieser Verein ist in ein Netzwerk von Väterrechtlern eingebunden. Solche Allianzen und Gesinnungsänderungen sind nicht ungewöhnlich. So wurde zum Beispiel der langjährige Sozialdemokrat und späteres Mitglied der „Vereinten Grünen Österreichs“, Günther Rehak, Mitglied bei dem vom Rechtsanwalt Günther Tews gegründeten Verein „Aktion Recht des Kindes auf beide Eltern”. Erst als Rehak mit der Briefbombenaffäre in Zusammenhang gebracht wurde, wurde er vom Verein ausgeschlossen. Später gründete er eine rechtsradikale Partei.
Fazit: Altes, antifeministisches Gedankengut in politisch korrekter Sprache
Die Väterrechtsbewegung in Österreich hat sich in den letzten Jahren einem strategischen Imagewechsel unterzogen: Vom offenen Antifeminismus der 1990er hin zu einem rhetorisch modernisierten, scheinbar gleichstellungsfreundlichem Auftreten. Hinter wohlklingenden Vereinsnamen, der Instrumentalisierung von Kinderrechten und dem Rekurs auf wissenschaftliche Sprache verstecken sich weiterhin patriarchale Machtansprüche, antifeministische Zielsetzungen und enge Verbindungen zu rechten Netzwerken. Durch gezielte Diskurspiraterie, rhetorische Täter-Opfer-Umkehr, die Entschärfung pseudowissenschaftlicher Konzepte wie „PAS“, und die bewusste Fehlinterpretation von Studien gelingt es den Väterrechtsorganisationen, Einfluss auf Politik und Rechtsprechung zu nehmen – unter dem Deckmantel von Fortschritt, Gleichberechtigung und Kindeswohl. Dieser schleichende Wandel ist nicht Ausdruck gesellschaftlicher Modernisierung, sondern ein alarmierendes Beispiel dafür, wie reaktionäre Ideologien sich sprachlich tarnen, um politische Macht zu gewinnen.

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