Wie Alleinerzieherinnen Nachtrennungsgewalt oft auch in Form von finanzieller Gewalt erleben

Es ist eine übliche Methode von Tätern, der Frau die Ressourcen zur Verteidigung zu entziehen, sodass die Opfer, also die Frau und die mitbetroffenen Kinder, der Gewaltsituation noch weniger leicht oder gar nicht entkommen können. Insofern wirkt sich finanzielle Gewalt als Verstärker der sonstigen Formen von Männergewalt gegen Frauen im sogenannten sozialen Nahraum aus. Gerade auch im Unterhaltsrecht macht sich finanzielle Gewalt stark bemerkbar, wenn zum Beispiel Täterväter Mütter durch Endlosverfahren über viele Jahre schleifen.

Sie versuchen sie so nicht nur emotional mürbe zu machen, sondern sie auch finanziell zunehmend in den Ruin treiben, um sie dann schlussendlich völlig wehrlos zu machen. Denn während die meisten Kindesväter Vollzeitberufe und somit ein volles Einkommen haben, bei wenig bis gar keiner Beteiligung an der Verantwortung für die Kinder, wobei sich manche gezielt arm rechnen, um Kindesunterhalt zu sparen, tragen die Mütter in der Regel die volle Verantwortung. Sie haben zudem berufliche Nachteile, sei es weil sie gar nicht berufstätig sein können oder allenfalls in Teilzeit oder in prekären Jobverhältnissen mit entsprechenden Einkommenseinbußen arbeiten, die nicht nur zur Mütterarmut und damit einhergehend zur Kinderarmut führen, sondern langfristig auch zur Altersarmut der Mütter. Mütter, denen die finanziellen Ressourcen gekappt oder ganz entzogen werden, können die Kinder finanziell nicht so versorgen, wie sie es mit einer finanziell gesicherten Lebensgrundlage könnten. Das wird den Müttern dann aber zum Vorwurf gemacht und in Pflegschaftsverfahren gegen sie verwendet. Das heißt, die Mütter werden dafür verantwortlich gemacht, wofür tatsächlich die Kindesväter verantwortlich sind, die sich um den Kindesunterhalt zu drücken versuchen oder diesen künstlich kleinzurechnen, sowie durch Politik und das aktuelle Unterhaltsrecht, die dies zulassen und zugleich nicht ausreichend Mütter und Kinder staatlich unterstützen.

Die Folge davon ist, dass den Müttern Kindeswohlgefährdung vorgeworfen wird, wenn sie in Mütterarmut und Kinderarmut abrutschen, während man die wahren Verantwortlichen, die das zulassen beziehungsweise sogar fördern, nicht zur Verantwortung zieht. Nicht selten wird sogar den Kindesvätern die Kinder und das alleinige Sorgerecht zugesprochen, wobei ignoriert wird, dass durch die finanzielle Gewalt und die daraus resultierende gezielte finanzielle Schädigung von Mutter und Kindern, die Kindeswohlgefährdung überhaupt verursacht beziehungsweise verstärkt wurde. Das ist definitiv eine Täter-Opfer-Umkehr! Gerade gewalttätige Kindesväter beziehungsweise Kindesväter, die sich auch vor der Trennung nie ums Kind gekümmert haben, wenden besonders häufig finanzielle Gewalt an. Das heißt zur Vernachlässigung beziehungsweise zur häuslichen Gewalt kommt dann nicht nur die finanzielle Gewalt hinzu, sondern indem man die Verantwortung für die finanziellen Probleme den Müttern anlastet und das zugunsten von Kindesvätern in Sorgerechtsentscheiden verwendet, wird Gewalt durch Kindesväter gegen Mütter und Kinder verstärkt und die Täterväter geschützt, beziehungsweise sogar unterstützt. Stattdessen müsste man die Mütter und Kinder vor den Tätervätern zu schützen und zwar auch finanziell durch die Sicherung ihrer finanziellen Lebensgrundlage.

Es ist daher unumgänglich, dass zum Gewaltschutz für Kinder und Mütter unabdingbar auch eine ausreichende staatliche Kindergrundsicherung und eine ausreichende Müttergrundsicherung eingeführt wird, denn nur indem man den Müttern nicht den finanziellen Boden unter den Füßen entzieht und ihnen so die finanziellen Möglichkeiten nimmt, nicht nur für sich und ihre Kinder eine gesicherte Lebensgrundlage zu haben, sondern auch den benötigten Gewaltschutz rechtlich durchsetzen zu können, nur dadurch können Mütter überhaupt Gewaltschutz zuverlässig in Anspruch nehmen. Nimmt man ihnen ihre finanzielle Handlungsmöglichkeit, verunmöglicht man dagegen, dass Mütter und ihre Kinder überhaupt ihre Rechte optimal einfordern können. Da zudem viele Kindesväter nur deshalb die teils jahrelangen Endlosgerichtsverfahren betreiben, weil sie keinen Unterhalt zahlen wollen und es ihnen nicht wirklich um das Wohl der Kinder geht, sondern sie diese nur instrumentalisieren, würde sich auch eine Vielzahlt der Pflegschafts- und Unterhaltsverfahren schnell erledigt haben, sobald die Kindesväter nicht mehr Unterhalt als Vorwand für Gerichtsverfahren nutzen könnten.

Die viel bemängelte Überlastung der Gerichte würde sich deutlich reduzieren lassen, sodass sich Richter*innen besser um die verbleibenden Fälle kümmern könnten. Die Kosten für die KInder- und Müttergrundsicherung könnte der Staat über die Steuereinnahmen finanzieren, wobei es nur legitim wäre, die Leistungen der Mütter für die Gesellschaft durch eine Müttergrundsicherung zu honorieren. Denn Mütter erbringen mit ihrer Care-Arbeit eine sehr hohe Leistung für die Gesamtgesellschaft, die aber weder wertgeschätzt wird noch monetär honoriert. Stattdessen wird Care-Arbeit nicht bezahlt und vielfach sogar so dargestellt, als wäre es gar keine Arbeit. Nicht selten müssen sich Mütter, die neben der Care-Arbeit nicht noch berufstätig sind, anhören “Sie arbeiten ja gar nicht”, so als ob Care-Arbeit keine Arbeit wäre! Es sind sogar mehrere Berufe, die Mütter parallel ausüben und zwar 24/7, ohne Urlauszeiten, ohne freie Nächte/Wochenenden/Feiertage, oft sogar ohne freie Krankentage bei eigener Erkrankung, ohne Sozialversicherung, ohne Altersversicherung, ohne Nacht-/Wochenende-/Feiertagszuschläge. Stattdessen ernten sie Nichtanerkennung und Vorurteile.

Mütter sind Erzieherinnen, Köchinnen, Bäckerinnen, Krankenpflegerinnen, Animateurinnen, Eventmanagerinnen, Taxifahrerinnen, Wäscherinnen, Frühfördererinnen, Hausaufgabenbetreuerinnen, Nachhilfelehrerinnen, Seelsorgerinnen, Putzfrauen, Waschfrauen, Bügel-Service-Dienstleisterinnen, Innenarchitektinnen für Kinderzimmer, Dekorateurinnen, Fitnesstrainerinnen, Verkehrserzieherinnen, Vorleserinnen und nicht selten auch Puppenspielerinnen, Musiklehrerinnen, Fußballtrainerinnen, Schwimmlehrerinnen, Kreativmanagerin für Bastelarbeiten aller Art, Kreativmanagerinnen, Künstlerinnen, Heimwerkerinnen, Reiseleiterinnen, Expeditionsleiterinnen, Museumspädagoginnen und noch so einiges mehr. Je nachdem, welche Interessen und Neigungen der Nachwuchs zeigt und die die Mütter zu unterstützen und zu fördern versuchen. Und das eben 24/7, denn wie es in einem Werbespot heißt: „Mütter haben keine freien Tage, auch wenn sie hungrig sind, müde sind, krank sind, gilt für Mütter die Versorgung der Kinder als höchste Priorität! Ihnen dennoch zu unterstellen “Sie arbeiten ja gar nicht!” ist an Frechheit kaum zu überbieten. Sie für ihre Leistungen zudem nicht zu honorieren und sie mit ihren Kindern der Armut und Gewalt durch (Ex)Partner oder Kindesväter zu überlassen und den Müttern dafür auch noch die Schuld zuzuschieben, ist schlichtweg Verantwortungslosigkeit im Höchstmaß!

Eine empörte Alleinerzieherin, die anonym bleiben will

foto: copyright adobe.stock von kieferpix

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