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Online-Podiumsdiskussion: Die missbrauchte Autorität der Sachverständigen: Pseudowissenschaft als Waffe gegen den Gewaltschutz

Online-Podiumsdiskussion: Die missbrauchte Autorität der Sachverständigen: Pseudowissenschaft als Waffe gegen den Gewaltschutz

Kostenlose Online-Podiumsdiskussion | Mittwoch, 3. Dezember 2025 | 19-21 Uhr

Psycholog*innen, die als gerichtliche Sachverständige von Familienrichter*innen bestellt werden, genießen hohe Autorität: Die Akademiker*innen haben eine spezialisierte Ausbildung und sind vom Justizministerium beeidet. Ihre Status wirkt wie ein Gütesiegel. Richter*innen, die im Fachgebiet der Psychologie Laien sind, stützen Entscheidungen maßgeblich auf diese Gutachten, insbesondere wenn es um die Bewertung von Glaubwürdigkeit, Gefährdung, Bindung und Umgangsfragen geht. Die Einschätzung der Gutachter*innen wird als Grundlage für Entscheidungen über Obsorge, Kontaktrecht und Gewaltschutz herangezogen. Wo ein Gutachten spricht, bleibt Widerspruch selten.

Die gerichtlich beeideten Sachverständigen müssen bei der Erstellung ihrer Gutachten zahlreiche Regeln einhalten: Das oberste Gebot ist die Wissenschaftlichkeit, aber auch die Handreiche zum Umgang mit Gewalt im Zusammenhang mit Obsorge und Kontaktrecht, die Gutachterrichtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten, die Empfehlung für Sachverständigengutachten im Bereich des Familienrechtsberufsethische Richtlinien und vieles mehr müssen beachtet werden. So soll eine objektive und wissenschaftliche Vorgehensweise und Beurteilung unter Beachtung aller Rechtsvorschriften wie etwa der Istanbul-Konvention sichergestellt werden.  

Die Realität in den Gerichtssälen sieht jedoch anders aus: Pseudowissenschaftliche Begriffe, die weder im DSM 5 noch im ICD 11 anerkannt sind, wie „Parental Alienation“, Entfremdung, Scheinerinnerungen, Bindungsintoleranz, Belastungseifer und vieles mehr tauchen immer wieder in Gutachten auf. Statt objektiver Wahrnehmungen und traumainformierter Beurteilungen werden unwissenschaftliche Erklärungsversuche angestellt, die den Gewaltschutz aushebeln sollen und die Opfer zu Täter*innen machen. 

FEM.A Obfrau und Geschäftsführerin Andrea Czak diskutiert mit Psychologin Pia Hoffmann, Rechtsanwältin Rebecca Oberdorfer und Gutachten-Experte Markus Drechsler über folgende Fragen:  

  • Warum werden unwissenschaftliche Gutachten von Familienrichter*innen gewürdigt? 
  • Warum haben Gewaltopfer kaum Chancen, mangelhafte Gutachten anzufechten? 
  • Welchen Einfluss haben rechte Netzwerke auf die Verbreitung opferfeindlicher und misogyner Theorien im Familienrecht? 
  • Warum können und dürfen renommierte Gutachter*innen unwissenschaftliche Konzepte in Fachzeitschriften verbreiten? 
  • Welchen Einfluss hat die Verbreitung unwissenschaftlicher Konzepte durch renommierte Gutachter*innen auf Pflegschaftsverfahren? 

 

Teilnehmer*innen:  

Mag.a Rebecca Oberdorfer ist Rechtsanwältin mit Schwerpunkt im Familienrecht und Gewaltschutz. Sie verbrachte die ersten Jahre ihrer Karriere in renommierten Wirtschaftskanzleien in Wien und arbeitete zudem als Senior Legal Lawyer in angesehenen Unternehmen in Österreich, hat ihre Karriere sodann aber in der renommierten Anwaltssozietät der Dr. Helene Klaar und Dr. Norbert Marschall Rechtsanwälte OG, welche auf Familienrecht spezialisiert ist, fortgesetzt, wo sie schließlich als Rechtsanwältin gearbeitet hat. Im Jahr 2024 hat die Rechtsanwältin gemeinsam mit ihrer Kanzleipartnerin die Allen & Oberdorfer Rechtsanwältinnen OG gegründet.

Mag.a Pia Hoffmann ist Klinische Psychologin sowie Gesundheits- und Notfallpsychologin in Wien. Durch ihre langjährige Tätigkeit im Flüchtlingsbereich und bei der Frauenhelpline gegen Gewalt hat sich ihr beruflicher Schwerpunkt auf die Arbeit mit Opfern von Gewalt entwickelt. Ein zentraler Teil ihrer Arbeit ist die Begleitung von Frauen in schwierigen Lebenssituationen und der Umgang mit den Folgen von Gewalterfahrungen. Besonders wichtig ist ihr, in der Gesellschaft das Bewusstsein für die weitreichenden psychischen Auswirkungen von Gewalt zu stärken.

Markus Drechsler ist Berater für Straf- und Familienrechtsverfahren, organisiert mediale Begleitung von Gerichtsverfahren (Litigation PR), begleitet und koordiniert umfangreichen Verfahren und ist Journalist. Er beschäftigt sich seit 2012 mit dem Maßnahmenvollzug. Durch diese Tätigkeiten ist er oft mit psychiatrischen und psychologischen Gutachten konfrontiert. Dieses Wissen und diese Erfahrungen kann er durch die Kontakte zu und den Austausch mit internationalen Experten noch aufwerten. Außerdem ist er Herausgeber und Chefredakteur des Magazins „Menschen & Rechte“.

Besonders am Herzen liegt Markus Drechsler die Arbeit mit Menschen und deren Begleitung und Koordination in umfassenden Gerichtsverfahren im Strafrecht, Familienrecht und Fremdenrecht.

Moderation:

Andrea Czak, MA, Gründerin und geschäftsführende Obfrau des Vereins Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A (www.verein-fema.at), Sie hat den Verein im Jahr 2019 gegründet, da sie gegen die vielfachen Ungerechtigkeiten, die Alleinerzieherinnen bei Gericht erfahren, aufstehen wollte. Sie ist eine wahre feministische Kämpferin und die treibende Kraft des Vereins, deshalb ermutigt sie die Mitglieder des Vereins, es ihr gleich zu tun, ihre Stimme zu erheben und ihre Rechte einzufordern. Der Verein ist sehr erfolgreich und hat mittlerweile ca. 400 Mitglieder

Hast Du schon vorab Fragen oder kannst Du beim Webinar nicht dabei sein? Interessiert Dich ein Aspekt besonders? Dann schicke uns gerne eine E-Mail an event@verein-fema.at unter der Angabe des Namens des Webinars. Wir leiten Deine Frage an die Vortragende weiter und beantworten sie nach Möglichkeit im Webinar.

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