Gewalt sichtbar machen.

Alleinerziehende Frauen stärken.

Gewalt sichtbar machen. Alleinerziehende Frauen stärken.

Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall. Sie ist kein privates Problem und kein persönliches Versagen. Sie ist Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse, die Frauen in vielen Lebensbereichen betreffen und beeinflussen. Gewalt kann laut und sichtbar sein – sie kann aber auch leise, subtil und schwer greifbar auftreten. Sie zeigt sich nicht nur durch körperliche Übergriffe, sondern auch durch psychische, sexualisierte, wirtschaftliche, digitale, symbolische, strukturelle oder institutionelle Gewalt.

Oft beginnt Gewalt nicht plötzlich. Sie entwickelt sich schleichend – durch Kontrolle, Abwertungen, Schuldzuweisungen, Angst, Druck oder das wiederholte Überschreiten persönlicher Grenzen. Viele Frauen erkennen zunächst nicht, was sie erleben. Nicht, weil ihre Wahrnehmung falsch ist, sondern weil viele Formen von Gewalt gesellschaftlich verharmlost, normalisiert oder unsichtbar gemacht werden. Viele Frauen stellen sich deshalb Fragen wie: „Ist das wirklich Gewalt?“ oder „Übertreibe ich vielleicht?“

Genau hier möchte FEM.A ansetzen.

Wir möchten Gewalt sichtbar machen und Worte für Erfahrungen finden, die oft keinen Raum bekommen. Denn etwas benennen zu können, bedeutet auch, es verstehen zu können. Es bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen. Es bedeutet, die eigene Geschichte nicht länger kleinzureden.

Besonders alleinerziehende Frauen stehen häufig vor mehrfachen Belastungen und Herausforderungen. Sie tragen Verantwortung, kämpfen für sich und ihre Kinder und bewegen sich oft in Systemen, in denen ihre Erfahrungen nicht immer gehört oder verstanden werden. FEM.A möchte Frauen stärken, informieren und begleiten – mit Wissen, Aufklärung und dem klaren Bewusstsein: Ihre Gefühle, ihre Wahrnehmung und ihre Grenzen sind wichtig.

Wir glauben an eine Gesellschaft, in der Frauen nicht lernen müssen, Gewalt auszuhalten, sich anzupassen oder sich kleiner zu machen. Wir glauben an Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und daran, dass jede Frau das Recht hat, gehört, geschützt und respektiert zu werden.

Jede Frau hat das Recht auf Sicherheit, Würde und ein Leben frei von Gewalt.

Formen der psychischen Gewalt

Psychische Gewalt umfasst alle Handlungen, die darauf abzielen, eine andere Person seelisch zu verletzen, zu verunsichern oder zu kontrollieren. Sie hinterlässt oft keine sichtbaren körperlichen Spuren, kann aber tiefgreifende emotionale und psychische Schäden verursachen. Psychische Gewalt erzeugt Abhängigkeit, untergräbt das Selbstwertgefühl und schränkt die persönliche Freiheit ein. Die gängigen Formen lassen sich in folgende Kategorien unterteilen:

Verbale Gewalt & Erniedrigung
  • Gewaltvoller Narzissmus: Ein Muster aus starkem Kontrollbedürfnis, fehlender Empathie, Manipulation, Entwertung und aggressivem Verhalten. Betroffene erleben häufig psychischen Druck, Angst, Demütigungen und das Gefühl, ständig den Erwartungen des Täters entsprechen zu müssen. Gewaltvoller Narzissmus kann sich durch emotionale, psychische, verbale und teilweise auch körperliche Gewalt ausdrücken.
  • Beleidigungen & Beschimpfungen: Direkte Abwertungen der Person, z. B. „Du bist wertlos“ oder „Du kannst nichts richtig machen“, die das Selbstbewusstsein nachhaltig untergraben.
  • Demütigungen / Erniedrigungen: Öffentliches oder privates Lächerlichmachen und Bloßstellen, wodurch Scham, Angst und ein Gefühl der Minderwertigkeit entstehen.
  • Entwertungen: Gedanken, Gefühle oder Fähigkeiten der Person werden als bedeutungslos, falsch oder unzulänglich dargestellt, wodurch Betroffene beginnen, an sich selbst zu zweifeln.
  • Ständige Kritik: Dauerhafte und oft übertriebene Kritik vermittelt das Gefühl, nichts richtig machen zu können, wodurch Selbstvertrauen und Initiative stark eingeschränkt werden.
  • Vorwürfe & Beschuldigungen: Übertriebene oder unfaire Anschuldigungen, die Betroffene unter Druck setzen und Schuldgefühle erzeugen.
  • Schuldzuweisungen: Verantwortung für das Verhalten des Täters oder für Probleme wird dem Opfer zugeschoben, wodurch Scham, Angst und Selbstzweifel verstärkt werden.
  • Rumschreien: Lautes und aggressives Anschreien dient der Einschüchterung, Machtkontrolle und Demütigung und löst starken Stress aus.
Manipulation & Psychoterror
  • Gaslighting: Systematische Manipulation, bei der Betroffene an der eigenen Wahrnehmung oder am eigenen Verstand zweifeln, wodurch langfristige Verunsicherung entsteht.
  • Manipulation: Gezielte Beeinflussung von Denken, Fühlen und Handeln durch subtile Drohungen, Schuldgefühle oder geschickte Einflussnahme.
  •  Täter-Opfer-Umkehr: Der Täter stellt sich selbst als Opfer dar und gibt Betroffenen die Schuld für Konflikte, Probleme oder Gewalt.
  • Verunsicherung: Dauerhafte Infragestellung der Wahrnehmung, Meinungen oder Gefühle des Opfers, um emotionale Kontrolle auszuüben.
  • Unter Druck setzen: Erzwingen von Entscheidungen oder Handlungen durch emotionale oder psychische Belastung.
  • Subtile, wiederholte Handlungen: Kleine, wiederkehrende Grenzüberschreitungen, beispielsweise absichtlicher Schlafentzug, die psychischen Druck aufbauen.
  • Psychoterror: Anhaltender psychischer Druck, Drohungen und Einschüchterungen erzeugen Angst, Stress und psychische Erschöpfung.
  • Drohungen: Androhung von körperlicher Gewalt, Trennung, Selbstschädigung oder anderen einschüchternden Konsequenzen.
  • Androhung körperlicher Gewalt: Konkrete oder indirekte Hinweise auf mögliche körperliche Übergriffe.
  • Liebesentzug & Silent Treatment: Vorenthalten von Zuneigung, Kommunikation oder Aufmerksamkeit als gezielte Bestrafung.
  • Bestrafung durch Nichtbeachtung: Absichtliches Ignorieren, um Dominanz zu demonstrieren und psychischen Druck aufzubauen.
  • Einschüchterung: Aggressives Auftreten, Drohgebärden oder Zerstörung von Gegenständen, um Angst und Abhängigkeit zu erzeugen.
Kontrolle & Isolation
  • Soziale Isolation: Verbote oder Manipulationen, die den Kontakt zu Familie, Freunden oder sozialen Gruppen einschränken, häufig verbunden mit dem Schlechtreden von Beziehungen.
  • Verbot der Herkunftsfamilie: Einschränkung oder Verhinderung des Kontakts zur eigenen Familie, wodurch emotionale Unterstützung verloren geht.
  • Überwachung: Kontrolle von Handys, E-Mails, sozialen Medien oder ständiges Hinterfragen des Aufenthaltsortes, wodurch Betroffene unter ständiger Angst stehen.
  • Eifersucht: Krankhafte oder übertriebene Eifersucht, oft als „Liebesbeweis“ getarnt, um Kontrolle auszuüben.
  • Pausenlose Eifersucht & Misstrauen: Dauerhafte Kontrolle und unbegründete Verdächtigungen verstärken die psychische Belastung.
  • Bevormundung: Entscheidungen werden abgenommen, Selbstständigkeit wird eingeschränkt und die Autonomie untergraben.
  • Verbote: Vorschriften darüber, was die Person tun oder unterlassen darf, auch in alltäglichen Bereichen wie Freizeit oder Arbeit.
  • Freiheitsentzug: Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder persönlicher Entscheidungen durch psychische Manipulation oder Kontrolle.
  • Stalking: Nachstellen, Belästigen oder Terrorisieren – auch digital über Messenger oder soziale Netzwerke – um dauerhafte Angst und Kontrolle zu erzeugen.

Formen der Nachtrennungsgewalt

Nachtrennungsgewalt ist Gewalt, die nach einer Trennung oder Scheidung weiterbesteht oder neu beginnt. Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung endet Gewalt nicht automatisch mit dem Ende einer Beziehung. Für viele Frauen beginnt nach der Trennung sogar eine besonders belastende und gefährliche Phase. Vor allem dann, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, bleiben Frauen häufig weiterhin mit dem früheren Partner verbunden und müssen Kontakt aufrechterhalten.

Viele Frauen trennen sich, um sich selbst und ihre Kinder vor Gewalt zu schützen. Doch manche erleben, dass Kontrolle, Einschüchterung und Machtausübung auch nach der Trennung fortgesetzt werden. Gewalt verändert dabei oft nur ihre Form. Statt körperlicher Gewalt treten häufig psychische, finanzielle, rechtliche oder institutionelle Formen der Gewalt in den Vordergrund. Kinder können dabei gezielt eingesetzt werden, um weiterhin Druck auf die Mutter auszuüben oder Kontrolle auszuüben.

Die vielen Gesichter der Nachtrennungsgewalt
  • Fortgesetzte Kontrolle: Ständige Kontaktaufnahmen, Überwachung, Kontrollversuche oder das Missachten persönlicher Grenzen.
  • Einschüchterungen und Drohungen: Drohungen gegenüber der Mutter, den Kindern oder dem sozialen Umfeld.
  • Psychische Gewalt: Beschimpfungen, Schuldzuweisungen, Demütigungen oder gezielte Verunsicherung.
  • Instrumentalisierung der Kinder: Kinder werden benutzt, um Informationen zu erhalten, Druck auszuüben oder die Mutter zu verletzen.
  • Manipulation der Kinder: Kinder werden beeinflusst oder in Loyalitätskonflikte gebracht.
  • Missbrauch des Kontaktrechts: Kontakt- oder Besuchsregelungen werden genutzt, um Kontrolle auszuüben oder Konflikte fortzusetzen.
  • Gewalt bei Übergaben: Bedrohungen, Beschimpfungen oder belastende Situationen während der Übergabe der Kinder.
  • Finanzielle Gewalt: Verweigerung oder Verzögerung von Unterhaltszahlungen, wirtschaftlicher Druck oder finanzielle Kontrolle.
  • Rechtliche Gewalt: Wiederholte Anzeigen, Gerichtsverfahren oder Anträge, die vor allem der Belastung oder Einschüchterung dienen.
  • Rufschädigung: Verbreitung falscher Behauptungen oder gezielte Angriffe auf die Glaubwürdigkeit der Mutter.
  • Täter-Opfer-Umkehr: Der Täter stellt sich selbst als Opfer dar und macht die Mutter für Konflikte verantwortlich.
  • Verharmlosung früherer Gewalt: Erlebte Gewalt wird abgestritten oder als „Beziehungsstreit“ dargestellt.
  • Institutionelle Gewalt: Erfahrungen von Gewalt werden nicht ernst genommen, verharmlost oder Betroffene erleben zusätzliche Belastungen durch Behörden oder Verfahren.
  • Angst und dauerhafte Belastung: Viele Frauen erleben nach der Trennung weiterhin Unsicherheit, Stress und das Gefühl, nicht wirklich frei zu sein.

Formen der institutionellen Gewalt

Institutionelle Gewalt gegen Frauen* im Familienrecht entsteht, wenn Frauen* durch Behörden, Gerichte oder Fachpersonen benachteiligt, nicht ernst genommen oder ungerecht behandelt werden. Dies kann bewusst oder unbewusst geschehen und entsteht häufig durch Vorurteile, stereotype Rollenbilder oder ungleiche Machtverhältnisse.
Besonders im Familienrecht befinden sich Frauen* oft in einer belastenden Situation. Entscheidungen über Obsorge, Kontaktrecht, Unterhalt oder den Schutz vor Gewalt können großen Einfluss auf ihr Leben und das Leben ihrer Kinder haben. Wenn Erfahrungen mit Gewalt verharmlost, ignoriert oder falsch bewertet werden, kann dies zu zusätzlichen Belastungen und Benachteiligungen führen.

Frauen*, die Gewalt erlebt haben, berichten häufig davon, dass sie sich nicht gehört, nicht geschützt oder nicht ernst genommen fühlen. Statt Unterstützung zu erhalten, erleben manche zusätzliche Zweifel, Schuldzuweisungen oder Druck. Dadurch kann sich das Gefühl von Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit verstärken.

Die vielen Formen der Institutionelle Gewalt
  • Nicht ernst genommen werden: Aussagen, Sorgen oder Berichte über Gewalt werden angezweifelt oder ignoriert.
  • Verharmlosung von Gewalt: Erlebte körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt wird als „Beziehungsproblem“ oder „Konflikt zwischen Eltern“ dargestellt.
  • Infragestellen der Glaubwürdigkeit: Frauen* wird aufgrund von Gefühlen, Belastung oder emotionalen Reaktionen unterstellt, sie würden übertreiben oder falsch berichten.
  • Geschlechterstereotype: Erwartungen wie „Eine gute Mutter muss verständnisvoll und kompromissbereit sein“ beeinflussen Entscheidungen.
  • Schuldzuweisungen: Frauen* wird die Verantwortung für Konflikte oder familiäre Probleme zugeschoben.
  • Täter-Opfer-Umkehr: Die gewaltbetroffene Person wird als Verursacherin der Probleme dargestellt.
  • Druck zur Kooperation: Frauen* werden dazu gedrängt, trotz Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen Kontakt oder Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten.
  • Entmutigung bei Beschwerden: Betroffene erleben, dass ihre Sorgen heruntergespielt oder Beschwerden nicht ernst genommen werden.
  • Fehlender Schutz: Notwendige Schutzmaßnahmen werden nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Machtungleichgewicht: Frauen* befinden sich in einer Situation, in der Behörden, Gerichte oder Gutachter*innen weitreichende Entscheidungen treffen.
  • Vorurteile gegenüber Müttern: Frauen* werden schneller als „überfürsorglich“, „hysterisch“, „labil“ oder „konfliktorientiert“ bewertet.
  • Fehlende Berücksichtigung von Gewaltfolgen: Traumatische Belastungen und ihre Auswirkungen werden nicht ausreichend erkannt.
  • Mangelnde fachliche Kenntnisse: Fehlendes Wissen über häusliche Gewalt, Traumafolgen oder Manipulationsformen kann zu falschen Einschätzungen führen.
  • Ungleiche Bewertung von Verhalten: Dasselbe Verhalten kann bei Frauen* negativer beurteilt werden als bei Männern*.
  • Angst vor negativen Folgen: Frauen* befürchten Nachteile bei Obsorge-, Kontakt- oder Gerichtsentscheidungen, wenn sie Gewalt ansprechen.

Formen der finanziellen Gewalt

Finanzielle (oder ökonomische) Gewalt ist eine Form von Machtmissbrauch in Beziehungen, bei der Geld als Mittel zur Kontrolle, Unterdrückung oder Demütigung eingesetzt wird. Sie hinterlässt oft keine sichtbaren Spuren, erzeugt aber eine starke Abhängigkeit.

Die Formen der finanziellen Gewalt
  • Kontrolle und Überwachung: Eine Person bestimmt allein über finanzielle Mittel, verlangt detaillierte Rechenschaft über Ausgaben oder gewährt nur begrenzten Zugang zu Geld, beispielsweise in Form von „Taschengeld“.
  • Finanzielle Abhängigkeit: Der Zugriff auf eigenes oder gemeinsames Geld wird eingeschränkt oder verweigert. Dazu gehören auch Arbeitsverbote, Arbeitszwang oder permanente Kontrolle der Ausgaben.
  • Sabotage der Eigenständigkeit: Berufliche Entwicklung oder Erwerbstätigkeit werden gezielt behindert, um finanzielle Unabhängigkeit zu verhindern.
  • Entzug von Ressourcen: Der Zugang zu Konten, Einkommen, Ersparnissen oder wichtigen finanziellen Mitteln wird verweigert.
  • Finanzielle Ausbeutung: Ohne Zustimmung werden Kredite aufgenommen, Schulden verursacht oder Vermögenswerte der betroffenen Person genutzt oder entzogen.
  • Bezness und Love-Scamming: Emotionale Nähe oder Beziehungen werden vorgetäuscht oder ausgenutzt, um finanzielle Vorteile zu erlangen, beispielsweise durch Geldforderungen unter falschen Vorwänden.
  • Informationskontrolle: Wichtige Informationen über Einkommen, Vermögen oder Schulden werden bewusst zurückgehalten oder verfälscht.
  • Nachtrennungsgewalt: Finanzielle Kontrolle oder Schädigung setzt sich nach einer Trennung fort, beispielsweise durch das Verweigern von Unterhaltszahlungen.

Formen der digitalen Gewalt

 Digitale Gewalt ist eine Form psychischer Gewalt, die über digitale Medien und Technologien ausgeübt wird. Sie dient der Kontrolle, Überwachung, Demütigung oder Einschüchterung und kann rund um die Uhr stattfinden. Durch die ständige Erreichbarkeit verstärkt sie den Druck und die Angst der Betroffenen erheblich.

Die Formen der digitalen Gewalt
  • Cybermobbing: Gezieltes Beleidigen, Bloßstellen, Bedrohen oder Verbreiten von Gerüchten über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder andere Online-Plattformen.
  • Cyberstalking: Wiederholtes Belästigen, Verfolgen oder Bedrohen über digitale Kanäle, beispielsweise über Nachrichten, E-Mails oder soziale Medien, häufig verbunden mit Kontrolle oder Nachstellen im realen Leben.
  • Überwachung digitaler Kommunikation: Kontrolle von Handy, E-Mails, Social-Media-Accounts oder Standortdaten ohne Zustimmung, wodurch die Privatsphäre erheblich eingeschränkt wird.
  • Kontrolle über soziale Medien: Vorschreiben, welche Inhalte veröffentlicht werden dürfen, Mitlesen von Nachrichten oder Erzwingen von Passwörtern zur vollständigen Kontrolle der Online-Aktivitäten.
  • Digitale Kontrolle & Zwang zur Erreichbarkeit: Erwartung permanenter Verfügbarkeit sowie ständiges Einfordern von Antworten oder Kontrolle von Online-Status und Aktivitäten.
  • Verbreitung intimer Inhalte (Revenge Porn): Weitergabe oder Androhung der Veröffentlichung privater oder intimer Bilder und Videos ohne Einwilligung, um Druck auszuüben oder zu bestrafen.
  • Doxing: Veröffentlichen persönlicher Daten wie Adresse, Telefonnummer oder Arbeitsplatz im Internet, um Angst, Bedrohung oder Belästigung auszulösen.
  • Identitätsdiebstahl & Fake-Profile: Missbrauch der Identität einer Person oder Erstellung falscher Profile, um ihr zu schaden oder sie zu manipulieren.
  • Belästigung durch Nachrichten: Massives Versenden von Nachrichten, Anrufen oder Kommentaren, die Druck, Angst oder Stress verursachen.
  • Digitale Einschüchterung & Bedrohung: Drohungen oder aggressive Botschaften über digitale Kanäle, häufig anonym oder aus sicherer Distanz.
  • Ausschluss aus digitalen Gruppen: Bewusstes Ausgrenzen aus Chats, Online-Communities oder sozialen Netzwerken, um soziale Isolation zu verstärken.
  • Manipulation durch digitale Inhalte: Verbreiten falscher Informationen, verfälschter Screenshots oder bearbeiteter Inhalte, um die betroffene Person zu diskreditieren oder zu verunsichern.
  • Diffamierung in sozialen Netzwerken: Gezieltes Verbreiten beleidigender, falscher oder herabwürdigender Aussagen über eine Person im Internet.
  • Rufschädigung: Systematisches Untergraben des sozialen oder beruflichen Ansehens durch Gerüchte, gefälschte Inhalte oder koordinierte Online-Angriffe.
  • Tracking & Spyware: Einsatz von Apps oder Software zur heimlichen Überwachung von Standort, Kommunikation oder Aktivitäten.
  • Erpressung (Sextortion): Drohung, intime Inhalte zu veröffentlichen, wenn Forderungen – beispielsweise Geld oder weitere Bilder – nicht erfüllt werden.
  • Love-Scamming im digitalen Raum: Vortäuschen von Beziehungen über Online-Plattformen, um emotionale Abhängigkeit zu erzeugen und finanzielle oder persönliche Vorteile zu erlangen.
  • KI-Deepfakes: Erstellung täuschend echter, künstlich erzeugter Bilder, Videos oder Audiodateien, in denen Betroffene ohne ihr Wissen dargestellt werden.
  • Deepfake-Pornografie: Erstellen und Verbreiten pornografischer Inhalte mithilfe künstlicher Intelligenz, in denen Personen ohne Einwilligung dargestellt werden.
  • Digitale sexualisierte Gewalt: Alle Formen sexualisierter Übergriffe im digitalen Raum, beispielsweise unerwünschte sexuelle Nachrichten, das Zusenden pornografischer Inhalte („Cyberflashing“), sexuelle Belästigung oder Druck zu intimen Handlungen.
  • Nicht-einvernehmliches Weiterleiten von Inhalten: Weitergabe privater Chats, Bilder oder Informationen ohne Zustimmung, häufig zur Bloßstellung oder Kontrolle.
  • Öffentliches Bloßstellen (Shaming): Gezieltes öffentliches Anprangern im Internet, oft unter Beteiligung weiterer Personen.
  • Koordinierte Online-Angriffe (Hate Campaigns): Organisierte Angriffe durch mehrere Personen oder Gruppen, um gezielt Druck, Angst und soziale Isolation zu erzeugen.

Formen der sexualisierten Gewalt

Sexualisierte Gewalt ist eine Form von Gewalt, bei der Sexualität benutzt wird, um Macht und Kontrolle über eine andere Person auszuüben. Dabei werden persönliche und körperliche Grenzen verletzt.

Sexualisierte Gewalt passiert immer gegen den Willen einer Person oder ohne ihre Zustimmung.Sie kann überall vorkommen – in Beziehungen, Familien, Freundschaften oder durch fremde Personen. Viele Betroffene sprechen nicht darüber, weil sie Angst haben, sich schämen oder befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird.

Sexualisierte Gewalt in Paarbeziehungen wird oft verschwiegen. Viele Frauen* erleben sexualisierte Gewalt durch den eigenen Partner*, sprechen aber nicht darüber. Oft kommt sie zusammen mit körperlicher oder psychischer Gewalt vor.
Viele Betroffene zögern, Hilfe zu suchen oder eine Anzeige zu machen. Sie haben häufig Angst vor den Reaktionen des Täters, vor unangenehmen Fragen oder davor, dass ihre Erlebnisse angezweifelt werden. Manche entscheiden sich deshalb dagegen, darüber zu sprechen, um sich vor weiteren Verletzungen und Belastungen zu schützen.

Die Formen der sexualisierten Gewalt
  • Ungewollte sexualisierte Berührungen: Berührungen mit sexuellem Bezug, die eine Person nicht möchte. Dazu gehören zum Beispiel unerwünschtes Anfassen, Festhalten oder Berührungen an intimen Körperstellen.
  • Sexuelle Nötigung: Eine Person wird durch Druck, Drohungen oder Angst zu sexuellen Handlungen gezwungen.
  • Vergewaltigung: Sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person. Dabei werden Grenzen schwer verletzt.
  • Zwang zu sexuellen Handlungen: Eine Person wird zu sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen, obwohl sie das nicht möchte.
  • Zeigen pornografischer Darstellungen ohne Einwilligung der Partnerin: Jemand zeigt pornografische Bilder oder Videos, obwohl die andere Person das nicht möchte oder nicht zugestimmt hat.
  • Erzwingen pornografischer Inhalte oder Handlungen: Eine Person wird gezwungen, pornografische Inhalte anzusehen, daran teilzunehmen oder solche Inhalte zu erstellen.
  • Sexuelle Demütigung: Eine Person wird durch sexuelle Aussagen oder Handlungen erniedrigt oder bloßgestellt.
  • Verletzung sexueller Grenzen: Wünsche, Grenzen oder ein klares „Nein“ werden nicht respektiert.
  • Sexuelle Kontrolle: Eine Person versucht zu bestimmen, wie sich jemand kleidet, verhält oder Entscheidungen über den eigenen Körper und die eigene Sexualität trifft.
  • Sexualisierte Beschimpfungen: Beleidigungen oder verletzende Aussagen mit sexuellem Bezug, die Angst machen oder jemanden abwerten sollen.

Formen der symbolischen Gewalt

Symbolische Gewalt wirkt oft versteckt und wird im Alltag häufig nicht sofort erkannt. Sie beeinflusst, wie Menschen über sich selbst und andere denken und welche Rollen oder Erwartungen als „normal“ gelten. Sie vermittelt bestimmte Vorstellungen darüber, wie Frauen* und Männer* sein sollen und schafft dadurch Unterschiede und Ungleichheiten.

Die Formen der symbolischen Gewalt
  • Geschlechterrollen vorgeben: Erwartungen darüber, wie eine „richtige Frau“ oder ein „richtiger Mann“ sein soll.
  • Verhaltensregeln festlegen: Aussagen wie „Das macht man als Frau nicht“ oder „Ein Mann darf keine Gefühle zeigen“.
  • Einschränkung durch Erwartungen: Menschen fühlen sich unter Druck gesetzt, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten, obwohl es nicht ihren eigenen Wünschen entspricht.
  • Ungleichbehandlung im öffentlichen Raum: Manche Menschen nehmen mehr Raum ein, sprechen häufiger oder lauter, während andere sich zurückziehen oder weniger sichtbar werden.
  • Abwertungen aufgrund des Geschlechts: Frauen* oder Männer* werden wegen ihres Aussehens, Verhaltens oder ihrer Entscheidungen kritisiert oder herabgesetzt.
  • Stereotype Darstellungen: Feste Rollenbilder in Werbung, Fernsehen, sozialen Medien, Schule oder Familie, die bestimmte Erwartungen verstärken.
  • Diskriminierung in Sprache: Sprache kann Menschen herabsetzen oder ausgrenzen.
  • Abwertende Begriffe und Schimpfworte: Beleidigungen wie „Rabenmutter“, „Tussi“, „Zicke“, „Mannweib“, „Furie“ oder „Schlampe“ dienen oft dazu, Menschen zu beschämen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie nicht sein sollen.
  • Unsichtbar machen: Leistungen, Meinungen oder Bedürfnisse von Menschen werden weniger ernst genommen oder übersehen.
  • Darstellung als „normal“ oder „natürlich“: Ungerechte Unterschiede werden so dargestellt, als wären sie selbstverständlich oder richtig.
  • Wiederholte Botschaften im Alltag: Durch Familie, Schule, Medien und Gesellschaft werden bestimmte Rollenbilder immer wieder vermittelt und dadurch verfestigt.

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